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Dienstag, den 27. September 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Dicke Luft: zwischen Ruß und Revolte"

Buchvorstellung mit Michael Beleites

Am Dienstag, den 27. September 2016 um 19.00 Uhr sind alle Interessierten herzlich ins Martin-Luther-King-Zentrum Werdau eingeladen. Michael Beleites wird an diesem Abend sein Buch über die unabhängige Umweltbewegung in der DDR vorstellen.

Dicke Luft in Espenhain, toter Wald im Erzgebirge, Schaum auf der Elbe, Tagebaukrater in der Lausitz, radioaktive Wismut-Halden: Weite Teile Sachsens waren einst in der DDR ökologisches Krisengebiet. Ab Ende der siebziger Jahre begannen deshalb junge Menschen, über Zukunftsfragen öffentlich zu diskutieren. Es entstand eine alternative Szene, die spektakuläre Aktionen erdachte, Untergrundschriften druckte und erste Demonstrationen organisierte. Viele Mitstreiter wurden von der Staatssicherheit verfolgt und dadurch politisiert. Im revolutionären Herbst 1989 war die Umweltbewegung mit an die Spitze der Demokratiebewegung.

Michael Beleites wird auf die Entstehung und Entwicklung dieser Umweltbewegung, ihre Aktivitäten und Leitbilder sowie deren Verfolgung und Konflikte eingehen.  

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Der Eintritt ist frei.

Zur Person
Michael Beleites, 1964 in Halle geboren, ist studierter Landwirt. Er war ein Mitbe-
gründer der DDR-Umweltbewegung. 1984 war er Initiator der ersten Protest-
aktionen gegen Umweltzerstörung in der Chemieregion Bitterfeld-Wolfen und Mitinitiator des Meininger Friedensgottesdienstes. Seit 1986 recherchierte er illegal zu den gesundheitlichen und ökologischen Folgen des Uranabbaus der SDAG Wismut. 1988 brachte Beleites die Untergrundschrift "Pechblende" über den bis dahin weitgehend unbekannten Uranbergbau im Süden der DDR und seine Folgen heraus. Michael Beleits unterhielt Kontakte zu den wichtigsten Umweltgruppen der DDR und zu westdeutschen und osteuropäischen Öko-Aktivisten. Durch sein Mitwirken in kirchlichen Friedens- und Umweltinitiativen geriet er schnell unter die Beobachtung des DDR-Ministeriums für Staatsicherheit. Daher durfte er weder Abitur machen noch studieren. 1989 war er Mitglied des Bürgerkomitees zur MfS-Auflösung in Gera, 1990 Berater des Neuen Forums beim Zentralen Runden Tisch. Von Dezember 2000 bis Dezember 2010 amtierte Michael Beleites als Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Sonntag, den 25. September 2016 um 10.30 Uhr im Thüringer Museum Eisenach

"Fels der Verzweiflung - Stein der Hoffnung"

Vortrag über Martin Luther King und die DDR von Georg Meusel

Zur Finissage der Ausstellung "Face to Face - Martin Luther und Martin Luther King" im Thüringer Museum im Stadtschloss zu Eisenach wird zu einem Vortrag "Fels der Verzweiflung - Stein der Hoffnung - Martin Luther King und die DDR" von Georg Meusel aus Werdau eingeladen. Der Referent ist Zeitzeuge der Wirkungs-
geschichte von Kings Gedankengut in der DDR von Anfang der 1960er-Jahre bis zur Friedlichen Revolution. Er hat im Lauf der Jahrzehnte selbst zahlreiche der ausgestellten Exponate recherchiert und gesammelt, die sich inzwischen im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau in Sachsen befinden und bis Sonntag in Eisenach ausgestellt sind. Das King-Zentrum wurde im Jahr 1998 von Georg Meusel, Protagonisten der Friedensbewegung West und Ost sowie Jugendlichen vor Ort gegründet. Es ist eines von vier Martin-Luther-King-Zentren weltweit, die es noch in Atlanta/USA, Havanna/Kuba und Lausanne/Schweiz gibt.

Georg Meusel wird u.a. aus eigenem Erleben berichten, wie 39 Jahre nach Martin Luther Kings Predigt in der Ost-Berliner Marienkirche das Tonband gefunden wurde und wie es nach vierjährigen Bemühungen unter abenteuerlichen Umständen gelang, den großen King-Dokumentarfilm "... dann war mein Leben nicht umsonst" in die DDR zu bringen, der hier bis zur Friedlichen Revolution in etwa 130 Vorstellungen mehr als 10.000 Besucher erreichte. Anhand dieser und anderer Episoden wird Meusel aufzeigen, welche Segensspur Martin Luther Kings Gedankengut der gewaltfreien Konfliktlösung im atheistischen SED-Staat, der die bewaffnete Revolution und den Befreiungskrieg lehrte, gezogen hat.

Sonntag, 25. September 2016 um 10:30 im Thüringer Museum im Stadtschloss Eisenach, Markt 24

Martin Luther King und die Montgomery Story

Neu aufgelegter King-Comic über den Versöhnungsbund erhältlich

Das Original ist fast 60 Jahre alt, doch was dieser Comic aus dem Jahre 1957 beschreibt, ist hochaktuell: Wie kann es gelingen, sich auch angesichts extremer Gewalt gegen Unrecht einzusetzen, ohne die Gegner dabei zu verletzen? Das beschreibt dieser Comic über den Montgomery-Busboykott, der entscheidend zur Aufhebung der Rassentrennung in den USA beitrug.
Jetzt ist er in deutscher Fassung über den Versöhnungsbund erhältlich. Zu verdanken ist das der Arbeit von Schülerinnen und Schülern des Ignaz-Günther-Gymnasiums in Rosenheim unter der Leitung ihres Lehrers Michael Thoma. Die Rechte am Comic haben sie vom us-amerikanischen Zweig des Versöhnungs- bundes erwirkt und dann in ihrem Englisch-Kurs ein Jahr lang übersetzt, vergilbte Farben aufgefrischt und den Originaltext um weitere Informationen ergänzt.

Das insgesamt 36 Seiten starke Heft enthält jetzt sowohl die englische wie auch die deutsche Version und ist daher sowohl für den Englisch-Unterricht wie auch für Religion, Ethik, Sozialkunde oder Geschichte  oder z.B. auch Konfirmanden- und andere Jugendgruppen geeignet.
"Unser Ziel ist, Jugendliche für die Thematik der Diskriminierung zu sensibilisieren und dazu beizutragen, dass mehr Menschen erfahren, wie man Kriege und Vorurteile mit Liebe und Toleranz bekämpfen kann", sagt Thoma. Das wollen wir auch – herzlichen Dank für diese Zusammenarbeit!

Martin Luther King und die Montgomery Story. Wie 50.000 Schwarze einen neuen Weg fanden, die Rassendiskriminierung zu beenden. Deutsch/englische Fassung, 36 Seiten,Farbdruck. Einzelheft 3,50 € plus Versandkosten; Klassensatz ab 20 Stück pro Heft 3,-€. Bestellungen über ,
Tel. 0571-85 08 75 oder die Webseite www.versoehnungsbund.de

Samstag, den 20. August 2016 um 14.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Gewaltfrei gegen den IS - ist das möglich?"

Vortrag und Gesprächsrunde mit Stefan Maaß

Das Martin-Luther-King-Zentrum lädt für Samstag, den 20. August 2016 um
14.00 Uhr zu dem provokanten Thema "Gewaltfrei gegen den IS - ist das möglich?" mit Stefan Maaß, Friedensbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Baden ein. Je nach Besucherzahl wird das Thema als Vortrag oder im kleinen Kreis als Gesprächsrunde gestaltet. Auf alle Fälle besteht Gelegenheit, über das brisante Thema zu diskutieren. Stefan Maaß leitet das Projekt "Jugendliche werden Friedensstifter" der Badischen Landeskirche. Er ist Mitglied des Martin-Luther-King-Zentrums und war 2001 gemeinsam mit Freunden aus dem Internationalen Versöhnungsbund und des King-Zentrums Teilnehmer einer Martin-Luther-King-Studienreise in den USA. Herzliche Einladung! Der Eintritt ist frei.

https://www.facebook.com/Friedensstifter

Urteil: 130 Jahre Zuchthaus

Jugendwiderstand in der DDR und der Prozess gegen die "Werdauer Oberschüler" 1951

Jetzt im Martin-Luther-King-Zentrum erhältlich

Die Neuauflage des Buches "Urteil: 130 Jahre Zuchthaus" über den Jugendwiderstand in der DDR und den Prozess gegen die "Werdauer Oberschüler" ist ab sofort im Martin-Luther-King-Zentrum erhältlich.
Bei Interesse kann das King-Zentrum individuelle Buchbesprechungen mit Gruppen oder Schulklassen organisieren.

Zum Buch:
Am 15. Oktober 1950 fand in der DDR die erste Volkskammerwahl statt. Die Wahl erfolgte nach undemokratischen Gesichtspunkten, gewählt wurde eine Einheitsliste, die bereits verbindlich die Zahl der Mandate für das Parlament festlegte. Diese Liste wurde nach offizieller Angabe mit 99,7% in der Wahl bestätigt.
In Werdau gründeten 19 Oberschüler, Lehrlinge und junge Arbeiter, inspiriert von der "Weißen Rose" 1950 eine Widerstandsgruppe. Sie protestierten mittels Flugblätter gegen die Manipulation der Volkskammerwahlen und übten Kritik am Todesurteil von Hermann Joseph Flade. 1951 wurden die "Werdauer Oberschüler" zu insgesamt 130 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1956 wurden die letzten der Gruppe entlassen. Fast alle begannen in der Bundesrepublik ein neues Leben.
Achim Beyer gehörte zu jener Widerstandsgruppe, die in der westsächsischen Kleinstadt mit Flugblättern gegen die Scheinwahlen des SED-Staates protestiert hatte.

Beyer schildert in dem Buch ihre Beweggründe und analysiert anhand von Stasi- und SED-Dokumenten die Folgen, die sich für die Jugendlichen ergaben. Er selbst musste als einer der verurteilten Schüler fünfeinhalb Jahre in politischer Haft verbringen. Die Analyse des Gerichtsprozesses um die "Werdauer Oberschüler" wird durch Erinnerungsberichte und Privatfotos abgerundet.

Achim Beyer (*1932 in Werdau, † 2009 in Erlangen) war Diplom-Volkswirt und wissenschaftlicher Dokumentar. Er war als einer der "Werdauer Oberschüler" von 1951 bis 1956 in der DDR inhaftiert. Noch 1956 in den Westen geflohen, war er von 1963 bis 1993 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Gesellschaft und Wissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bis zu seinem Lebensende war Beyer in der politischen Bildung tätig.

Weitere Informationen und Unterlagen zum "Werdauer Oberschülerprozess" finden Sie in unserem Archivbestand. Interessenten können nach Terminabsprache Einsicht in archivierte Schriftstücke erhalten.

Der Thesenanschlag von Chicago

Martin Luther und Martin Luther King

Von Georg Meusel

Vor 50 Jahren, am 10. Juli 1966, heftete Martin Luther King unter dem Beifall von 30 000 schwarzen Sympathisanten nach Martin Luthers Vorbild im Jahr 1517 in Wittenberg 48 Thesen an die Rathaustür von Chicago.

Martin Luther King und seine Leute hatten im Januar 1966 den ehrgeizigen Plan, die im Süden bewährte gewaltfreie Aktion in die Dschungel der Slums in den Großstädten des Nordens zu tragen. Dort waren die Probleme der Schwarzen nicht eine kleinliche Rassentrennung im Bus und an der Imbissbude, sondern die Hoffnungslosigkeit von Familien und einer ganzen Generation Jugendlicher unter wirtschaftlicher Benachteiligung im Getto. Den Kindern wurde in primitiven Schulen verwertbare Bildung vorenthalten. Es fehlte an Ausbildungsplätzen und Jobs. Für bewusst dem Verfall preisgegebene Behausungen wurden höhere Mieten verlangt als für normale Wohnungen in Weißenvierteln. Die Preise in den Gettoläden waren höher als außerhalb. Die Slumbewohner besaßen kaum Autos und konnten nicht zu entfernteren Geschäften fahren. Wohneigentum zu erwerben, wurde Afroamerikanern vom Immobilienhandel vorenthalten, selbst wenn sie Geld besaßen. Von den Banken erhielten sie keine Kredite. In Weißenvierteln wurde der Zuzug Schwarzer nicht geduldet.  Die Arbeitslosigkeit war verheerend. Es gab weder Parks noch Schwimmbäder.

Ein Unrecht, mit Ratten zu leben     

Im Januar 1966 hatte Martin Luther King mit seiner Familie im Schwarzengetto auf Chicagos West Side eine heruntergekommene Wohnung bezogen. "Man kann den Armen nur nahe sein, wenn man bei ihnen lebt", erklärte er den Reportern, die ihm und seiner Frau Coretta die schmale, wacklige Treppe zu der nach Urin stinkenden Unterkunft nachkletterten. "Der langsame, erstickende Tod einer Art Konzentrationslagerlebens im Getto" war Martin Luther Kings Terminus für die Slums. Gemeinsam mit anderen besetzte er ein ganzes Mietshaus, welches sie selbst renovierten. Sie nannten das "umgekehrter Streik". In der Kirche sagte King nach erschütternden Selbstzeugnissen von Gettobewohnern: "In einem Slum zu leben, ist Raub. Ihr seid eurer Würde beraubt. Es ist ein Unrecht, mit Ratten zu leben."
Dabei hatte Chicago damals eines der höchsten Prokopfeinkommen der Welt und eine der niedrigsten Arbeitslosenraten der USA.

Ein Team aus dem Süden angereister und einheimischer Bürgerrechtler bereitete gewaltfreie Aktionen, Verhandlungen mit dem Establishment und Demonstrationen durch Weißenviertel vor.
Bürgermeister Richard J. Daley versuchte mit Slumsanierungsmaßnahmen die Proteste der Bürgerrechtler zu entkräften. Doch die städtischen Armutsbekämpfungsprogramme wie auch ein von Präsident Lyndon B. Johnson vorgestelltes Modellstädteprogramm, das verfallende Städte in "Meisterstücke der Zivilisation" verwandeln sollte, hatten eher kosmetischen Charakter.
Die Verhandlungen der Bürgerrechtler mit Bürgermeister Daley verliefen zäh. Bei ihren Protestmärschen durch Wohnviertel von Weißen stießen sie auf hasserfüllte Reaktionen. Die Kinder von Coretta und Martin quengelten in der stickigen Wohnung. Auf der verstopften und gefährlichen Straße gab es keine Spielmöglichkeit.
 
48 Thesen an der Rathaustür

Im zähen Verlauf der Bürgerrechtsaktivitäten kam Martin Luther King die Idee, die symbolhafte Aktion seines Namenspatrons Martin Luther, dessen Thesenanschlag zu Wittenberg aus dem Jahr 1517, in Chicago nachzuahmen. Er wählte dafür den traditionellen "Freiheitssonntag", den 10. Juli 1966. Im Football- und Fußballstadion "Soldiers Field" hielt er vor 36 000 Zuhörern eine progammatische Rede. Dann führte er die Menge zum Rathaus. Unter Jubel heftete er 48 Thesen an die Metalltür.
Hatte Martin Luther 1517 in Wittenberg in seinen 95 Thesen den geschäftsmäßigen Ablasshandel der Kirche angeprangert, so prangerte King 1966 in Chicago vorrangig die Geschäftemacherei mit Unterprivilegierten im Schwarzengetto der Großstadt an. Seine 48 Thesen richteten sich sowohl an Stadtverwaltung, Gewerkschaften, Wirtschaft und Banken, als auch an den Gouverneur und die Bundesregierung, gleichwohl jedoch an die Bevölkerung.

King mahnte Verbesserungen der Wohn-, Bildungs- und Arbeitsverhältnisse an. Er forderte öffentlichen Wohnungsbau, Kindergärten, eine funktionierende Müllabfuhr, Straßenreinigung und einen Gebäudekontrolldienst für die von Vermietern vernachlässigten Wohnungen im Getto und öffentliche Toiletten. Er verlangte Ausbildungsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten für Schwarze und Latinos nicht nur auf unterster Ebene sowie einen Mindestlohn in Höhe von 2 Dollar. Zudem forderte er eine Beschwerdestelle für Polizeigewalt, polizeiliche Übergriffe und willkürliche Verhaftungen.
Gemeinnützige Organisationen sollten aus staatlichen Mitteln mitfinanziert werden. Weiter verlangte King die Durchsetzung des Wahlrechts auf Grundlage des Bürgerrechtsgesetzes von 1964.
Die Menschen wurden zur Mitgliedschaft und finanziellen Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung sowie zur Teilnahme an den Kampagnen aufgefordert. Und King rief sie zum selektiven Einkauf bei Firmen auf, die Produkte von schwarzen Produzenten nicht in ihr Sortiment aufnahmen.

Als King am Folgetag Bürgermeister Daley seine Thesen persönlich übergeben wollte, weigerte sich dieser "mit vor Zorn hochrotem Gesicht", diese entgegenzunehmen. Chicago hätte bereits ein "massives Slumbekämpfungsprogramm". King versprach dem Bürgermeister Sit-ins, Camp-ins, Boykotts und Massendemonstrationen, wenn er nicht Grundlegendes unternähme, der in den Gettos "brodelnden Verzweiflung" entgegenzutreten.

Gewalt und erster Schritt von 1000 Meilen

Der störrischen Reaktion Daleys folgte schon am nächsten Tag ein Aufruhr mit neun Verletzten und 24 Verhaftungen. Kings Aufruf zur Gewaltfreiheit verhallte bei einem Teil der Schwarzen ungehört. Es folgten weitere Gewalttätigkeiten und es bestand die Gefahr, dass das ganze Getto in Flammen aufgeht. Nach dem Tod eines 14-jährigen Mädchens setzte Gouverneur Otto Kerner 4 000 Mann Nationalgarde ein. Die Stadt beschaffte zehn transportable Swimmingpools für das Schwarzengetto. Doch die Lage ließ sich nicht beruhigen. Während eines Marsches am 5. August wurde Martin Luther King ein Ziegelstein an den Kopf geworfen, obwohl ein weißer Sympathisant an seiner Seite demonstrierte. "Nicht einmal in Mississippi und Alabama erlebte ich den Mob so feindselig und hasserfüllt wie in Chicago", erklärte King.

Dann gab Bürgermeister Richard J. Daley nach. Am 26. August kam es zu einem "Gipfelabkommen", in dem ein großer Teil der Forderungen aus Martin Luther Kings 48 Thesen von der Rathaustür aufgenommen wurde, wenn auch ohne genauen Zeitplan. Die Chicago-Kampagne wurde immer wieder durch Themenwechsel Richtung Vietnamkrieg unterbrochen. Zum anderen wurde King aufgeschreckt durch den neuen Slogan "Black Power", zunächst im Süden, der einen Teil der Bewegung ergriff, auch im Norden laut wurde und nicht mehr verstummte. So musste sich der Apostel der Gewaltfreiheit mit sehr bescheidenen Ergebnissen seiner "Reformation" in Chicago begnügen: "Es ist der erste Schritt einer Reise von 1000 Meilen."
Noch heute leben in Chicago West Side 16 bis 40 Prozent der Einwohner, rund 130.000, unterhalb der Armutsgrenze.

11. Juni 2016 bis 25. September 2016 in Eisenach

"Face to Face- Martin Luther und Martin Luther King"

Ausstellung im Stadtschloss des Thüringer Museums Eisenach

Die Ausstellung "Face to Face – Martin Luther und Martin Luther King" ist noch bis zum 25. September 2016 im Stadtschloss des Thüringer Museums Eisenach zu sehen. Das Museum hat mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Exposition ermöglicht mit Bildern, Fotografien und Skulpturen außergewöhnliche Blicke auf die zwei Reformatoren. Sie entstand in Kooperation mit dem Martin-Luther-King-Zentrum Werdau.

Samstag, den 11. Juni 2016 um 17.00 Uhr im Stadtschloss Eisenach

"Face to Face- Martin Luther und Martin Luther King"

Vernissage mit Dr. Heinrich Grosse 
 

Die Stadt Eisenach präsentiert unter dem Titel "Face to Face – Martin Luther und Martin Luther King" eine Sonderausstellung. Sie wird am 11. Juni um 17.00 Uhr im Stadtschloss des Thüringer Museums Eisenach eröffnet. Die Exposition ermöglicht mit Bildern, Fotografien und Skulpturen außergewöhnliche Blicke auf die zwei Reformatoren. Sie entstand in Kooperation mit dem Martin-Luther-King-Zentrum Werdau.

Martin Luther und Martin Luther King Jr. gehören in der westlichen Welt zu den bekanntesten historischen Persönlichkeiten, man hält sie für "seelenverwandt". Beide dienen den Nachgeborenen als Projektionsfläche ihrer je eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten. In ihnen glauben noch immer viele Menschen sich wiederzuerkennen – sei es als gläubige Protestanten oder Baptisten, gehorsame Untertanen oder zivilen Ungehorsam Ausübende, freiheitsliebende Geister und gute Staatsbürger.
 
Die Gegenüberstellung von Martin Luther und Martin Luther King im Zeitraum von drei Jahrhunderten umgesetzt in Bildern, Fotografien und Skulpturen ist Absicht dieser Ausstellung. Vordergründig soll es dabei um Bildhaftigkeit dieser beiden herausragenden Figuren der Geschichte gehen.

Der Spannungsbogen reicht vom nahezu vergessenen Lutherbildnis einer mitteldeutschen Dorfkirche bis zur fotografischen Auseinandersetzung mit dem Martin Luther King–Park in Paris. Unter anderem werden Werke bekannter Maler wie Johannes Heisig, Jost Heyder, Hubertus Giebe und Ruth Tesmar zu sehen sein. Aber auch junge Künstler wie Julia Kneise und Veit Goßler werden sich mit dem Thema auseinandersetzen.

"Face to face – Martin Luther und Martin Luther King" wird vom 11. Juni bis 25. September 2016 im Stadtschloss des Thüringer Museums Eisenach gezeigt. Das Museum hat mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Montag, den 6. Juni 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Vergessene Kinder"
  an den geschlossenen Grenzen Europas

Ein Erfahrungsbericht von Oliver Nießlein von der Flüchtlingshilfe Balkanroute
Zwickau-Chemnitz

Unzählige Flüchtlinge aus Kriegsgebieten sind nach endlosen Strapazen an der EU-Grenze gestrandet. Es sind vor allem Frauen und Kinder, die in den Aufnahmelagern unter menschenunwürdigen Bedingungen festsitzen. Zahlreiche Kinder sind ganz alleine oder im Chaos der Flucht von ihren Familien getrennt worden. Oft sind sie durch Erlebtes schwer traumatisiert und werden in den Lagern nur notdürftig betreut.

Oliver Nießlein war zuletzt im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze und hat diesen Hilfseinsatz mit der Kamera begleitet. Die Bilder aus Idomeni - Zelte unter Wasser, bewohnte alte Eisenbahnwaggons, Menschen in Schlamm und Dreck - gingen um die Welt. Das provisorische Lager hatte sich nach der Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns durch Mazedonien gebildet. Idomeni wurde zum traurigen Sinnbild der Flüchtlingskrise, in dem tausende Menschen unter unwürdigen Bedingungen in kleinen Zelten und Verschlägen hausten.
Neben persönlichen Geschichten und Schilderung der gegenwärtigen Situation wird Oliver Nießlein versuchen, mehrere, recht unterschiedliche politische Einordnungen von geflüchteten Menschen widerzuspiegeln.

Die Flüchtlingshilfe Balkanroute leistete in den vergangenen Monaten in verschiedenen europäischen Aufnahmelagern Nothilfe. In der Vergangenheit wurden mehrere LKW-Ladungen Hilfsgüter gesammelt, aufbereitet und transportiert. Hunderte Arbeitsstunden wurden von etwa 80 Helfern erbracht. Tausende Euro Spendengelder konnten gesammelt und zur Verfügung gestellt werden. Kein einziger Spenden-Euro wurde für die Helfer in Form von Verpflegung und Übernachtung ausgegeben. Verbunden waren und sind diese Hilfsaktionen natürlich auch mit Fahrten in verschiedene europäische Zufluchtsstationen der Menschen. Der Helferkreis bittet für die Unterstützung seiner Arbeit um Spenden.
Überweisungen mit Möglichkeit der Spendenbestätigung richten Sie bitte an den gemeinnützigen Verein InterEuropean Human Aid Association Germany e.V. (IHA), IBAN DE86 4306 0967 8231 2437 00; BIC GENODEM1GLS, Verwendungszweck: "Helferkreis Zwickau-Chemnitz".

Montag, den 9. Mai 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Ausgerechnet Pakistan?! Eine Erlebnisreise in ein fremdes Land"

PowerPoint-Vortrag von Joachim Krause

Joachim Krause aus Schönberg wird an diesem Abend über seine Erfahrungen in diesem Land berichten. Der neugierige Rentner war im Herbst 2015 mit seiner Frau und zwei Freunden dort unterwegs: "Vorher hatten wir uns viele Fragen anhören müssen: Warum ausgerechnet Pakistan - Islam, Scharia, Taliban?"

Das fremde Land war dann vor Ort ganz anders.
"Wir begegneten vielen gastfreundlichen, offenen Menschen. Wir trafen auch Frauen – manchmal zeigten sie sich nur tief verschleiert in der Öffentlichkeit und anderenorts gingen sie (ohne Kopfbedeckung) ganz selbstverständlich den verschiedensten Berufen nach. Wir sammelten erste spannende und verwirrende Eindrücke in Islamabad, der Hauptstadt der 'Islamischen Republik', dann tauchten wir in das Basar-Gewusel der benachbarten Vielmillionenstadt Rawalpindi ein mit seinen exotischen Geräuschen und Gerüchen.

Danach erst begann unsere eigentliche Tour. Wir waren unterwegs auf dem abenteuerlichen Karakorum Highway, einer 'Autobahn', die sich am steilen Flussufer des Indus entlang windet, immer im Bewusstsein der Gefahr, im erdbebengefährdeten Gebiet von Steinschlag getroffen zu werden. Wir staunten über die Vielfalt geologischer Gesteinsbildungen in der 'Knautschzone', in der sich beim Zusammenprall zweier Kontinente drei Hochgebirge aufgefaltet haben (Himalaya, Karakorum und Hindukusch). Ehrfürchtiges staunend standen wir nach abenteuerlichen Jeep-Fahrten und anspruchsvollen Kraxeltouren vor 7000 und 8000 Meter hohen Bergriesen
(z. B. dem Nanga Parbat).

Zwischendurch fanden wir immer wieder Erholung in paradiesischen Oasen inmitten der Felswüste. Manchmal hatten wir auch fürsorgliche Begleitung durch uniformierte Bewacher mit Maschinenpistole. Und überraschend gab es dann auch noch Begegnungen mit uralten Zeugnissen griechischer und buddhistischer Kultur."

Herzliche Einladung! Der Eintritt ist frei.

Montag, den 25. April 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Hochzeit in der DDR - Zwei Südafrikaner in Suhl"

Filmvorführung und Gespräch im Rahmen der Tage der Demokratie und Toleranz

Der Film „Hochzeit in der DDR – Zwei Südafrikaner in Suhl“ begibt sich auf Spurensuche nach Thüringen und Südafrika. Er erzählt von Mak und Dikeledy Gwili, die während der Apartheid in Südafrika als ANC-Aktivisten in die DDR geflüchtet waren. Die schwarzen Südafrikaner – zugleich Kommunisten und gläubige Christen - fanden damals bei dem Pfarrer-Ehepaar Christina und Eberhard Vater Halt und Beistand. Ein Ereignis, das für Aufregung sorgte, denn Kontakte von Ausländern zu DDR-Bürgern waren staatlicherseits nicht erwünscht. Zudem war es für Parteigenossen unvorstellbar, dass Mitglieder des ANC auch Christen sein konnten.

Im September 1988 gab sich das Paar mit dem Segen von Pfarrer Eberhard Vater in der Kirche in Viernau das Ja-Wort. „Es wurde ein tiefes Erlebnis für uns alle“, so Christina Vater. 125 Gäste feierten mit. Schon bald darauf mussten beide die DDR wieder verlassen und zurück nach Afrika. Der Kontakt zwischen der Familie Gwili und der Familie Vater brach indes nicht ab.

Zum 25-jährigen Ehejubiläum reisten Mak und Dikeledy Gwili extra aus Südafrika nach Thüringen, um hier gemeinsam mit der Kirchgemeinde ihre Silberhochzeit zu feiern.

Der 30-minütige Film von Galina Breitkreuz begleitet die interkulturellen Begegnungen und versucht Antworten auf die Fragen zu finden, was aus den Träumen,  Wünschen und Vorstellungen der Beteiligten geworden ist.


Mak und Dikeledy Gwili leben mit ihren Kindern Mpho, Tebo und Thato ­im südafrikanischen Bloemfontein. Christina und Eberhard Vater sind heute in Mühlhausen/Thüringen zuhause. Beide engagieren sich im Verein „Miteinander“, der sich für die Integration von Menschen stark macht, die in ihrer Heimat politisch verfolgt sind.

Im Anschluss an die Filmvorführung besteht die Möglichkeit, mit Christina und Eberhard Vater ins Gespräch zu kommen.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Tage der Demokratie und Toleranz. Sie sind herzlich eingeladen!

Der Eintritt ist frei.

Brief des Martin-Luther-King-Zentrum an das Nobelpreiskommitee

Europäische Union verhält sich nicht mehr wie eine Trägerin des Friedensnobel-preises

Das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau hat in einem Brief an das Nobelpreiskomitee in Oslo erklärt, dass die Europäische Union als Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2012 sich jetzt nicht mehr wie eine Friedenspreis-trägerin verhält. Das wird an der Weigerung einiger Mitgliedsstaaten der EU deutlich, Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, verbunden mit der Unfähigkeit der Staatengemeinschaft, darauf angemessen zu reagieren.
Aus diesem Grunde startet der Verein eine symbolische Transaktion: Den rechnerisch auf alle Einwohner von Werdau entfallenen Teil des Preises an die EU will das King-Zentrum an das Nobelkomitee einzahlen. Dies wäre dann eine ersatzweise und teilweise Rückzahlung des Friedensnobelpreises von 2012. Mit dieser symbolischen Transaktion will das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage versuchen, dem Vermächtnis seines Namenspatrons, dem Friedensnobelpreisträger von 1964, gerecht zu werden.

                                                                                                                                             12. März 2016

Sehr geehrte Damen und Herren vom Nobelpreiskomitee,

Sie haben im Jahr 2012 den Friedensnobelpreis an die Europäische Union (EU) vergeben.

Nachdem die Regierungschefs der EU am 7. März wiederum keine Lösung der Flüchtlingsproblematik fanden, wäre es an der Zeit, den Friedensnobelpreis der EU wieder abzuerkennen und das ausgezahlte Geld zurückzufordern.

Begründung:
Die EU konnte sich auf ihrem Gipfeltreffen nur auf die Sicherung ihrer Außengrenzen verständigen, nicht aber auf die Verteilung der syrischen Kriegsflüchtlinge auf ihre Mitgliedsstaaten. Da ein erheblicher Teil dieser Staaten nicht einmal bereit ist, eine Mindestzahl von Kriegsflüchtlingen aufzunehmen und die EU sich offenbar nicht in der Lage sieht, angemessen darauf zu reagieren, hat sie es nicht länger verdient, Friedensnobelpreisträgerin genannt zu werden.

Wir respektieren Ihre Entscheidung von 2012, den Preis einer Staatengemeinschaft zuzuerkennen, die über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen hat.
Nun ist aber durch das Versagen in der Frage der kontingentierten Aufnahme von Kriegsflüchtlingen eine Situation eingetreten, die es uns unmöglich macht, uns weiterhin als Bürgerinnen und Bürger einer Nobelpreisträgerin zu verstehen. Da Ihr Statut keine Aberkennung eines vergebenen Nobelpreises vorsieht, möchten wir unsere Form der Aberkennung durch eine symbolische Aktion deutlich machen:

Weil die EU das Preisgeld nicht zurückzahlen wird, beabsichtigen wir als Martin-Luther-King-Zentrum Werdau, ersatzweise einen symbolischen Beitrag an das Nobelpreiskomitee zu zahlen. Wir übernehmen von der Preissumme 930.000 € den rechnerisch auf die 21.726 Einwohner von Werdau entfallenen Teil. Das wären dann im Verhältnis zu 508.191.000 EU-Einwohnern ein Betrag von 39,76 €. Wir bitten Sie um Angabe Ihrer Bankverbindung, damit wir diese Summe überweisen können.

Mit freundlichem Gruß

Dr. Martin Böttger
Vorsitzender

Martin-Luther-King-Zentrum fordert ein Netz sicherer und gewaltfreier Orte in Sachsen

Mit Bestürzung hat das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage Werdau das gewaltsame und uncouragierte Handeln der Polizei in Clausnitz wahrgenommen.
"Es liegt uns fern, das Vorgehen der Polizei zu kritisieren, zumal sie gegenüber dem rechtsextremen Mob deutlich in der Unterzahl war." Für die Zukunft sollte jedoch folgendes gelten: Wenn durch eine Blockade ein Flüchtlingsbus sein vorgesehenes Ziel nicht erreichen kann, muss ein Netz sicherer öffentlicher Räume greifen. Dieses Netz ist durch zentrale Anordnung der sächsischen Regierung zu schaffen. Für den Fall Clausnitz hätte das bedeutet, dass der Bus von der blockierten Unterkunft bis zum nächsten sicheren Ort (Rathaus, Landratsamt, Vereinshaus o.ä.) hätte fahren müssen, wo dann die Flüchtlinge vorübergehend versorgt würden. Dadurch hätte die Polizei die nötige Zeit gewonnen, Verstärkung anzufordern, um den Platz vor der Flüchtlingsunterkunft zu räumen. In ein Netz sicherer und gewaltfreier Orte könnten neben Kommunen auch zivilgesellschaftliche Institutionen, wie beispielsweise Kirchen und Vereine eingebunden werden.
Das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau ist bereit, seine Räumlichkeiten für derartige Fälle zur Verfügung zu stellen und Aufbauhilfe bei einem regionalen Netz gewaltfreier Orte zu leisten.
"Wir erinnern an die Aktion 'Noteingang', an der wir uns beteiligten."

Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums vom 16. Februar bis 3. April 2016
in der Sparkasse Zwickau

Crimmitschauer Str. 1, 08056 Zwickau

"Deutsche Teilung - Deutsche Einheit"

Der Weg vom Herbst '89 zum Landkreis Zwickau heute

Die Ausstellung "Deutsche Teilung - Deutsche Einheit" über die Transformation des Landkreises Zwickau
seit 1989 kann bis zum 3. April 2016 in der Sparkasse Zwickau, Crimmitschauer Str. 1, besichtigt werden.

Mit dieser Ausstellung soll an die Ereignisse der politischen Wende und die demokratische Entwicklung im Landkreis Zwickau erinnert und die Transformation der westsächsischen Region aufgezeigt werden. Sie hebt die
Bedeutung der Friedlichen Revolution hervor und macht den Wert einer demokratischen Gesellschaftsordnung deutlich. Die Ausstellung veranschaulicht, wie sich die Region in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt seit 1990 verändert hat. Dabei erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die verwendeten Beispiele werden exemplarisch behandelt und stehen stellvertretend für die vielen Veränderungen, die sich in den 25 Jahren in unserem Landkreis vollzogen haben.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Projektreihe "25 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit" des Freistaates Sachsen.

  

Freitag, den 12. Februar 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Grenzen öffnen für Menschen - Grenzen schließen für Waffen"

Vortrag und Diskussion mit Jürgen Grässlin

Sensibel und doch Nerven wie Drahtseile. Wer einen Mann erleben möchte, der diese Gegensätze in sich vereint, sollte Jürgen Grässlin kennen lernen. Betroffen von den Tausenden Menschen in der Welt, die an den Folgen der Praktiken deutscher "Handlanger des Todes" sterben, legt sich Grässlin mit allen an. Nicht wirklich mit allen. Doch mit den Rüstungsbossen von Heckler & Koch und mit der "hemmungslosen Genehmigungspolitik des Bundessicherheitsrats unter Angela Merkel", unter der Deutschland zum viertgrößten Rüstungsexporteur der Welt avanciert sei. Der aus neun Personen bestehende Bundessicherheitsrat entscheidet geheim und ohne jede demokratische Kontrolle durch den Bundestag über die Genehmigung von Waffenexporten. Demokratie, die an dieser Stelle in der Bundesrepublik nicht funktioniert.

Die Logik Grässlins und seiner Mitstreiter in der "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel" ist, dass der Waffenexport in Bürgerkriegsgebiete und die militärische Einmischung von Nato und Bundeswehr in Länder des Nahen und Mittleren Ostens die Kriegsflüchtlinge hervorgebracht haben, die jetzt in Deutschland und Europa um Asyl flehen. Millionen Kleinwaffen aus deutscher Produktion und aus deutschen Lizenzen kursieren in der Welt. Waffen, die auch für Kindersoldaten "geeignet" sind. Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Kleinwaffen als "die wahren Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts". Nach Schätzungen sterben jedes Jahr durch zum großen Teil aus Deutschland stammende Kleinwaffen bis zu 400 000 Menschen. Doch auch schweres Kriegsgerät wurde aus Deutschland an Diktaturen und in Krisengebiete geliefert. Saudi Arabien, wo Christen umgebracht und Frauen gesteinigt werden, geht mit deutschen Panzern gegen Demonstranten vor. Israel kreuzt mit atomwaffenfähigen U-Booten aus Deutschland in der Krisenregion des Mittelmeers.

"Jahrelang wurde ich wegen meiner Recherchen mit Prozessen überzogen und habe sie alle gewonnen. Jetzt habe ich sieben Strafanzeigen gegen Heckler & Koch, Sig Sauer, Carl Walther und das Verteidigungsministerium gestellt", meint Deutschlands bekanntester Friedenskämpfer. Heckler & Koch, Sig Sauer und Carl Walther sind die Rüstungsfirmen, denen Grässlin illegale Waffenexporte vorwirft. Der Rüstungsgegner deckte den illegalen Export von 10 000 G36-Sturmgewehren und weiteren Kleinwaffen in mexikanische Unruheprovinzen auf, einen der folgenschwersten illegalen Waffendeals in der deutschen Rüstungsexportgeschichte.
Von Beruf ist der 58-Jährige Lehrer. Sobald Ferien beginnen, hält ihn nichts mehr in seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau. Dann zieht er in den Krieg gegen die Kriegsindustrie, indem er deutschlandweit, oft in brechend vollen Sälen, Buchlesungen und Vorträge hält. Ein Mann im Staatsdienst greift den Staat an und bleibt im Staatsdienst. Demokratie, die funktioniert. In seinem Urlaub reist der Friedensaktivist selbst in Bürgerkriegsgebiete Afrikas und anderswo und dokumentiert fotografisch, wo Menschen durch deutsche Gewehre verstümmelt und ermordet werden. "Kriegführende und menschenrechtsverletzende Staaten mit deutschen Kriegswaffen vollgepumpt.

"63,5 Prozent der Rüstungsexporte gingen mittlerweile in Staaten, wie Ägypten, Algerien, Saudi-Arabien und viele weitere, wo man mit deutschem Kriegsgerät die Demokratiebewegungen und Regime-Gegner zusammenschießt. Aufgrund der hemmungslosen Genehmigungspolitik des Bundessicherheitsrats unter Angela Merkel ist Deutschland zum viertgrößten Rüstungsexporteur der Welt avanciert. Grässlin begegnet klassischen Lügen der Rüstungsindustrie: "Wenn wir das nicht machen, machen's andere." Dabei sei es vielfach umgekehrt: Holland untersagte den Export von Leopard-Panzern an die indonesische Diktatur. Deutschland lieferte sie. An der Rüstungsindustrie hängen bei uns 100 000 Arbeitsplätze. Allein der Wirtschaftszweig regenerative Energietechnik dagegen schaffe 300 000 Arbeitsplätze neu – pro Jahr!

Millionen Menschen sind auf der Flucht, vielfach vor dem Einsatz deutscher Waffen. Dagegen erhebt Jürgen Grässlin seine Stimme, inzwischen deutschlandweit unüberhörbar.

Jürgen Grässlin ist Sprecher der Kampagne "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!", Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher der Kritischen AktionärInnen Daimler (KAD) und Vorsitzender des RüstungsInformationsBüros (RIB e.V.). Er ist Autor der Bücher "Schwarzbuch Waffenhandel! Wie Deutschland am Krieg verdient" und "Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Behörden".

Eine Veranstaltung mit Unterstützung der Kriegskinderstiftung. Der Eintritt ist frei.

Samstag, den 6. Februar 2016 um 14.30 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Martin Luther King und die Macht der Armen"

Vortrag von Heinrich W. Grosse

Das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau lädt alle Interessierten herzlich zu dem Vortrag "Martin Luther King und die Macht der Armen" von Heinrich W. Grosse ein. In seinen letzten Lebensjahren weitete Martin Luther King seinen Kampf um Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß auf den Kampf um soziale Gerechtigkeit für alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe und Religion, aus. Arme gab und gibt es auch unter Latinos und Weißen in den USA. Auch in Deutschland nimmt das Armutsproblem zu.
Heinrich W. Grosse hat als Student im Frühjahr 1968 unter Martin Luther King den "Marsch der Armen" auf Washington mit vorbereitet. Am 4. April 1968 wurde der Pfarrer und Bürgerrechtskämpfer ermordet. Grosse, der dann in Deutschland Pfarrer wurde und über King seine Doktorarbeit schrieb, machte das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ zu seinem Lebensthema. Als Professor im Ruhestand setzt er sich heute zwischen Bedürftige an die "Tafel" und nimmt sich deren Nöten unmittelbar an. Der Pfarrer, Dozent, Verfasser und Herausgeber von Büchern von und über Martin Luther King wird den Zuhörern das politische und soziale Engagement Kings nahebringen.
Der Eintritt ist frei.

Resümee zum Informations- und Gesprächsabend

"Wer hat Angst vorm Muselmann?"

Das Leben der Muslime in Deutschland

Mehr als 60 Interessierte hatten am Montagabend, den 18. Januar 2016 im Martin-Luther-King-Zentrum offensichtlich keine Angst vorm Muselmann. Hanifur Ramahn Raju (21) aus Myanmar und vier weitere Muslime u.a. aus Libyen und Tunesien, die derzeit im Asylbewerberheim Werdau untergebracht sind, stellten sich den Fragen des Publikums zu Ihrer Religion. Gebetsrituale, die Ausübung der Religion in Deutschland, die Stellung der Frau im Islam oder der gegenseitige Umgang von Muslimen und Christen waren Themen, die zur Sprache kamen. In der regen Diskussion kamen die Offenheit und Toleranz aber auch die Bedenken mancher Bürger zum Ausdruck. Besonders berührend waren die Worte einer Besucherin, die dafür plädierte, dass die Migranten unabhängig von Ihrer Religion angesehen werden sollen und es doch darum geht, dass wir etwas für die Menschen und ihre Integration hier tun sollten. Der Abend wurde von dem Religionswissenschaftler Daniel Böttger aus Leipzig unterstützt. In Frage und Antwort konnten wir voneinander lernen, die Fremdheit abzubauen und uns einander annähern.

     

Montag, den 18. Januar 2016 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum:

"Wer hat Angst vorm Muselmann?"

Das Leben der Muslime in Deutschland

"Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann …"  heißt es in einem Scherzkanon über unmäßigen Kaffeegenuss. Bei Lessing steht anerkennend über Nathan den Weisen: "Jud’ und Christ und Muselmann, alles ist ihm eins". "Muselmane", woraus im Volksmund eingedeutscht "Muselmann" wurde, bedeutet: "Bekenner des wahren Glaubens". Später nannte man sie "Mohammedaner" und heute sagen wir "Moslems" oder "Muslime". Doch haben nicht wir Christen den wahren Glauben? Vielen von uns machen die Muslime Angst mit ihrem anderen "wahren" Glauben.

Das Martin-Luther-King-Zentrum lädt gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis für Ausländerfragen ein zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über das Leben von Muslimen in Deutschland. Menschen islamischen Glaubens aus verschiedenen Ländern und Glaubensrichtungen und der Religionswissenschaftler Daniel Böttger aus Leipzig werden aufklären, berichten, untereinander und mit den Besuchern diskutieren.

Prozentual sind es wenige im Osten Deutschlands, doch ihre Zahl nimmt zu: Menschen, die einem anderen Glauben anhängen als dem christlichen. Die einen sagen: Sie haben in Abraham den gleichen Urvater wie die Juden und mit Abrahams Gott den gleichen Gott wie die Juden und die Christen. Andere sagen, nein, das ist nicht der gleiche Gott und sehen mit der Zuwanderung von Muslimen das „Christliche Abendland“ bedroht. Die einen sagen: der Islam ist eine friedfertige Religion, eine kleine Minderheit nur missbraucht diese für Terror und Expansion. Andere sagen: nein, der Islam ist im Kern voller Gewalt. Was trifft nun zu und wie leben Muslime in unserem Land? Wie praktizieren sie ihren Glauben?
Alles Fremde macht Angst. Was kann es also besseres geben, um Angst abzubauen, als sich gegenseitig kennenzulernen und miteinander zu reden.

Der Eintritt ist frei.

Martin-Luther-King-Zentrum unterstützt "Go for it - Lauf los für den Frieden"

Am 12. Januar machten Friedensläufer der Aktion "Go for it - Lauf los für den Frieden" Rast im Martin-Luther-King-Zentrum.

Die Aktion ist gegen die deutsche Beteiligung am Syrienkrieg gerichtet. Der Friedensmarsch hat mit einer
Gruppe von Studenten aus Augsburg bereits Ende Dezember begonnen. Ziel der insfgesamt acht Etappen soll Berlin sein.

"FRIEDLICHE LÖSUNGEN IN BEWEGUNG SETZEN, letztlich ist es das, was wir wollen. Anstatt den Krieg im Nahen Osten still zu bejahen, wollen wir dem Frieden eine Stimme geben. Nur weil wir keine fertige friedliche Lösung haben, können wir nicht still bleiben. Stattdessen schaffen wir mit dieser Aktion einen Raum, in dem friedliche Alternativen thematisiert werden können.
Die Lösung liegt wortwörtlich auf dem Weg!"

Mehr dazu unter http://www.go-for-it-frieden.de/
oder unter http://www.facebook.com/Go-for-it-Lauf-los

Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums vom 8. Januar bis 15. Februar 2016
im Autohaus LUEG

Schubertstraße 1, 08058 Zwickau

"Deutsche Teilung - Deutsche Einheit"

Der Weg vom Herbst '89 zum Landkreis Zwickau heute

Als Folge des Zweiten Weltkriegs wird Deutschland geteilt. Es entstehen zwei Staaten mit konträren und konkurrierenden politisch-gesellschaftlichen Systemen. Am Fortbestand eines gesamtdeutschen Bewusstseins kann aber weder die sich vertiefende Spaltung noch Grenze oder Mauerbau etwas ändern. 40 Jahre später haben die politischen Ereignisse 1989 und 1990 in der DDR den Grundstein für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gelegt. Die von der Bürgerbewegung initiierten »Runden Tische« haben der SED die Macht abgerungen und politische Prozesse mitgestaltet.

Mit dem Ländereinführungsgesetz im Juli 1990 wird auch das Land Sachsen wieder errichtet – zunächst auf Grundlage der Kreisgliederung von 1952. Seither hat sich der Landkreis Zwickau sehr verändert. Einen bedeutsamen Einschnitt hat die stufenweise Gebietsreform, verbunden mit einer Verwaltungs- und Funktionalreform, gebracht. Aus den zunächst 107 Städten und Gemeinden (Stand 1990) sind durch Gemeindeeingliederung oder -vereinigung nur noch 33 selbständige Verwaltungseinheiten übrig geblieben. Der Landkreis ist der flächenmäßig kleinste Kreis im Freistaat Sachsen und hat die höchste Einwohnerdichte aller Landkreise der neuen Bundesänder.

Der Landkreis Zwickau hat sich zum "Motor sächsischer Wirtschaft" entwickelt. Er verfügt über eine moderne Infrastruktur mit effizienten Verkehrsnetzen. Die Städte und Gemeinden erstrahlen vielerorts in neuem Glanz. Flüsse und Seen sind wieder mit Leben erfüllt.

Mit dieser Ausstellung soll an die Ereignisse der politischen Wende und die demokratische Entwicklung im Landkreis Zwickau erinnert und die Transformation der westsächsischen Region aufgezeigt werden. Sie hebt die
Bedeutung der Friedlichen Revolution hervor und macht den Wert einer demokratischen  Gesellschaftsordnung  deutlich.  Die  Ausstellung veranschaulicht, wie sich die Region in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt seit 1990 verändert hat. Dabei erhebt sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die verwendeten Beispiele werden exemplarisch behandelt und stehen stellvertretend für die vielen Veränderungen, die sich in den 25 Jahren in unserem Landkreis vollzogen haben.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Projektreihe "25 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit" des Freistaates Sachsen.

Die Ausstellung umfasst 18-Roll-up-Tafeln.

  

Eröffnung der Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums
am Dienstag, 15.12.2015, um 18:30 Uhr in der Sparkasse Zwickau,

Crimmitschauer Strasse 1, Zwickau

"Deutsche Teilung - Deutsche Einheit"

Der Weg vom Herbst '89 zum Landkreis Zwickau heute

"Die Wiedervereinigung war ein historisches Ereignis, für das es keine Blaupause gab. Praktisch aus dem Stand heraus mussten tausende Städte, Landkreise und Gemeinden in die Lage versetzt werden, demokratisch, rechtsstaatlich und bürgerfreundlich zu handeln. Die Kommunalpolitiker der „ersten Stunde“ haben Grandioses geleistet. Mit einem enormen Kraftakt, riesigem Engagement und langem Atem haben die Kommunen in den alten und den neuen Bundesländern gleichermaßen diese große Aufgabe bewältigt. (....) Wir hatten immer die Zielsetzung vor Augen, die Wiedervereinigung auch auf der kommunalen Ebene gelebte Wirklichkeit werden zu lassen und das heißt, Kommunen lebenswert und attraktiv zu gestalten und ihre Handlungsfähigkeit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Das ist bis heute die tägliche Herausforderung." (Bürgermeisterin Frau Dr. R. Wilcken, Wismar, am 6. Mai 2010)

In den ersten Nachkriegsjahren werden die Grundlagen der deutschen Teilung gelegt. Es entstehen zwei deutsche Staaten mit konträren Gesellschaftssystemen. 40 Jahre später haben die politischen Ereignisse 1989 und 1990 in der DDR den Grundstein für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie gelegt. Die von der Bürgerbewegung initiierten "Runden Tische" haben der SED die Macht abgerungen und politische Prozesse mitgestaltet.

Mit dem Ländereinführungsgesetz im Juli 1990 wird auch das Land Sachsen wieder errichtet – zunächst auf Grundlage der Kreisgliederung von 1952.
Seither hat sich der Landkreis in vielen Bereichen entwickelt. Er ist der "Motor sächsischer Wirtschaft".
Einen bedeutsamen Einschnitt hat die stufenweise Gebietsreform, verbunden mit einer Verwaltungs- und Funktionalreform, gebracht. Aus den zunächst 107 Städten und Gemeinden (Stand 1990) sind durch Gemeindeeingliederung oder -vereinigung nur noch 33 selbständige Verwaltungseinheiten übriggeblieben. Der Landkreis Zwickau mit seiner Fläche von 949 km² und ist der flächenmäßig kleinste Kreis im Freistaat Sachsen.

Diese Ausstellung erinnert an die Ereignisse der politische Wende und die demokratische Entwicklung im Landkreis Zwickau.

Die Ausstellung veranschaulicht, wie sich die Region in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt verändert hat.

Sie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die verwendeten Beispiele werden exemplarisch behandelt und stehen stellvertretend für die vielen Veränderungen, die sich in den 25 Jahren in unserem Landkreis vollzogen haben.

Die Ausstellung wurde mit Mitteln des Freistaates Sachsen im Rahmen des Programms „25 Jahre Deutsche Einheit und Freistaat Sachsen“ gefördert.
Darüberhinaus wurde das Vorhaben durch die Sparkasse Zwickau und die Zwickauer Energieversorgung (ZEV) unterstützt. 


Bilder von der Eröffnung im Haus der Sparkasse Zwickau

    

Ausstellungseröffnung über Bildende Kunst in der DDR

"Die Botschaft hinter den Bildern"
 
Bildende Künstler in der DDR zwischen Enge und Vielfalt


So lautet der Titel einer neuen Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau, die am Freitag, den 13. November 2015 um 19:30 Uhr in der Galerie „Forum K“ in Plauen, Bahnhofstraße 39 eröffnet wurde.

„Vorn ist die verständliche Lüge, und von hinten schimmert die unverständliche Wahrheit durch.“ So schrieb Milan Kundera in seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ über die ČSSR-Malerin Sabina. Ähnlich praktizierte es auch mancher Bildender Künstler in der DDR.

Die SED hatte die Sichtweise der Kommunistischen Partei Deutschlands, welche Kunst als „Waffe“ bezeichnet hatte. Wenn Kunst aber „Waffe“ war, dann konnte folglich diese „Waffe“ nicht nur für, sondern auch gegen die Partei eingesetzt werden. Deshalb misstraute die SED den Künstlern und versuchte, sie auf den „Sozialistischen Realismus“ festzulegen. Doch viele Bildende Künstler setzten sich mit eigenen gestalterischen Wegen darüber hinweg. Und mancher verbarg in seinen Bildern eine gesellschaftskritische Botschaft, die sich erst auf den zweiten oder dritten Blick erschloss.

Das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage e.V. Werdau breitet auf 20 Tafeln vor dem Besucher an Hand ausgewählter Beispiele eine Palette von Künstlerbiografien und Kunstwerken aus, die von staatsangepassten über verhalten kritische, christlich geprägte, bis zu widerspenstig-autonomen und oppositionellen reichen. Darunter sind spannende Episoden, unglaubliche Vorgänge und erschütternde Schicksale. In populärwissenschaftlicher Weise werden knappe Hintergrundinformationen über die historische Entwicklung der Bildenden Kunst von der Sowjetischen Besatzungszone bis zur Friedlichen Revolution in der DDR gegeben. Ein Exkurs in die gesellschaftskritische Kunstszene in der Alten Bundesrepublik, ein Blick auf den West-Ost-Kunststreit nach 1990 und auf die gesellschaftliche Rolle der Bildenden Kunst im vereinigten Deutschland runden das Bild ab. So soll die Exposition informieren, Neugier wecken und zum Nachdenken anregen.

Mitarbeiter des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau sowie von Ö GRAFIK agentur für marketing und design Dresden haben die Ausstellung mit hohem Engagement konzipiert, entwickelt und gestaltet. Hauptfördergeber der Ausstellung ist die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, deren Vertreterin Dr. Sabine Kuder ein Grußwort gesprochen hat. Der Maler Jürgen Szajny gab eine inhaltliche Einführung. Weitere Förderer sind der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, der Landkreis Zwickau und die Stadt Werdau.


Bilder von der Eröffnung in der Plauener Galerie Forum K

            

Die Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums

"Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen"

 Martin Luther King und die DDR

ist während der Tagung vom 13.-15.11.2015 unter dem Thema

„Hier stehe ich und kann nicht anders!" - Martin Luther, Martin Luther King und die Musik
Die kulturelle und politische Nachwirkung der Reformation im zivilen Ungehorsam

mit Prof. Dr. Michael Haspel, Ev. Akademie Thüringen, Peter Reif-Spirek, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen,  und Thomas Eckardt, Jazzmeile Thüringen, in der Stadtkirche Jena zu sehen.

Dort kann sie auch noch bis Ende des Jahres besichtigt werden.

13. November 2015 - 15. November 2015 - Stadtkirche Jena

"Hier stehe ich und kann nicht anders!"

Martin Luther, Martin Luther King und die Musik

Die kulturelle und politische Nachwirkung der Reformation im zivilen Ungehorsam
 
Martin Luther King, Jr. hat sich in seinem Engagement für die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA ausdrücklich auf seinen Namenspaten bezogen. Bei seinem Besuch in Berlin 1964 hat er darauf verwiesen, dass er in seinem aktiven gewaltfreien Widerstand genauso seinem Gewissen folge wie Martin Luther vor dem Reichstag in Worms. Der Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit – eine der wichtigen Traditionslinien der Reformation – ist über Jahrhunderte lebendig geblieben.

Musik war für den Protestantismus immer eine wichtige Ausdrucksform. Die Entdeckung der Individualität in der Reformation fand einen wesentlichen Ausdruck in der zu seiner Zeit revolutionären Musik Johann Sebastian Bachs. Für die schwarze  Protestbewegung war Jazz bedeutender Teil ihrer Kultur.

Der Tagungsort Jena ist bewusst gewählt: Jena war schon zu DDR-Zeiten ein Zentrum der Bürgerbewegung und des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Aktuell gibt es eine Tradition zivilen Ungehorsams gegen Demokratiefeindlichkeit und Rassismus. Die Etablierung eines neonazistischen Musikfestivals konnte nicht zuletzt durch breit getragene Massenblockaden verhindert werden. Dies bietet eine besondere Chance, an diesem Ort die gesellschaftlich-emanzipatorischen Potenziale der Reformation und der  schwarzen Bürgerrechtsbewegung zu aktualisieren und nach bleibenden Impulsen für aktiven, gewaltfreien Widerstand heute zu fragen. Dabei ist die Verwobenheit von musikalisch-kultureller und politischer Dimension ein wesentlicher Aspekt. Deshalb werden Vorträge und Workshops durch Konzerte ergänzt.

Prof. Dr. Michael Haspel, Evangelische Akademie Thüringen
Peter Reif-Spirek, Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
Thomas Eckardt, Jazzmeile Thüringen

Filmvorführung am Donnerstag, den 12.11.2015 um 19.00 Uhr  im Gemeindezentrum
Werdau, Burgstr. 32


                   "Selma" – Die Martin-Luther-King-Story -

Der Oscar-nominierte Film gibt einen Einblick in das Leben und Werk von Martin Luther King.
SELMA erzählt die Geschichte von Martin Luther Kings historischem Kampf um das Wahlrecht für die afroamerikanische Bevölkerung der USA - eine gefährliche und erschütternde Kampagne, die in tagelangen Märschen von Selma nach Montgomery, Alabama, ihren Höhepunkt fand. Diese rüttelten die amerikanische Öffentlichkeit wach und überzeugten Präsident Johnson 1965 den Voting Rights Act einzuführen.
Unter der Regie von Ava DuVernay wird in SELMA ein herausragendes Schauspielensemble vereint, angeführt von David Oyelowo als Martin Luther King und Tom Wilkinson als Präsident Lyndon B. Johnson.

Bereits 18.30 Uhr begint die Andacht zur Friedensdekade mit der Einführung zum Film.

Diese Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit der Ev.-luth. Kirchgemeinde Werdau.

Martin-Luther-King-Gründungsmitglieder Ehrenmitglieder der Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK)

Sonnhild und Ulli Thiel aus Karlsruhe, beide Gründungsmitglieder des Martin-Luther-King-Zentrums, wurden zu Ehrenmitgliedern der Deutschen Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK) ernannt. Die DFG ist die älteste deutsche Friedensorganisation, die 1892 von den späteren Friedensnobelpreisträgern Bertha von Suttner und Alfred Herrmann Fried gegründet wurde und sich 1974 mit der 1958 ins Leben gerufenen Friedensorganisation "Vereinigte Kriegsdienstgegner" (VK) zusammenschloss. Sonnhild und Ulli waren jahrzehntelang die aktivsten Friedensbewegten in Baden-Württemberg. Ihr besonderes Vorbild war Martin Luther King. Ulli ist am 10. April 2014 verstorben und erhielt daher die DFG/VK-Ehrenmitgliedschaft posthum.

Brief des Vorsitzenden und des Ehrenvorsitzenden des Martin-Luther-King-Zentrums an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Unsere Haltung zu Ihrer Flüchtlingspolitik in Deutschland

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir möchten Ihnen unsere Sympathie und Anerkennung für Ihre gegenwärtige Flüchtlings- und Asylpolitik übermitteln, die wir für couragiert, gerecht und risikobereit halten. Für Ihre Standhaftigkeit gegenüber Anfeindungen aus Teilen der Bevölkerung und von Politikern bedanken wir uns.
 
Ihre Haltung und Entscheidungen zu dem Flüchtlingsproblem stehen im Einklang mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Asyl ist Menschenrecht und deutsches Grundrecht. Wir empfinden Ihre Haltung auch als ein Element deutscher Friedenspolitik und moralischer Verpflichtung unseres Volkes aus unserer Historie heraus innerhalb der Völkergemeinschaft.
 
In Deutschland ist noch viel Platz für Menschen, wenn an dünn besiedelte Regionen gedacht wird, wo große Flächen brachliegen, die von Neuankömmlingen landwirtschaftlich und zur Selbstversorgung genutzt werden können. In manchen Städten, vor allem im Osten unseres Landes, gibt es einen hohen Wohnungsleerstand in nahezu intakten Plattenbausiedlungen und in Stadtzentren. Diesen Wohnraum könnte man, statt aus Steuermitteln finanzierte Abrissaktionen durchzuführen, vielen Flüchtlingen zur Nutzung anbieten.
 
Eine hohe Herausforderung bleiben die Flüchtlingsströme für uns, sowohl kulturell als auch finanziell. Dies kann schmerzhaft sein. Doch wir stimmen Ihnen darin zu, dass wir diese Herausforderung annehmen sollten. Das erfordert allerdings auch die Bereitschaft zum Teilen, wie wir sie als Deutsche nach dem 2. Weltkrieg aus dem Ausland selbst erfahren haben (Marshall-Plan, CRALOG und CARE) und wie es viele Bundesbürger mit ihren Westpaketen und mitgebrachten Geschenken gegenüber den materiell schlechter gestellten DDR-Bürgern praktizierten. Und wie es Deutsche gegenüber den materiell schlechter gestellten Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten praktizierten.
 
Flankiert werden sollte die Flüchtlingsaufnahme durch Deutschland sowie andere europäische und nordamerikanische Staaten unbedingt durch Abbau von Fluchtursachen in den Herkunftsländern.

Wir stellen uns eine internationale Konferenz vor, die eine Friedenslösung für Syrien zum Ziel hat. Dabei sollte auch eine vorübergehende Teilung des Landes in einen alawitisch-christlichen Teil im Westen, einen kurdischen Teil im Nordosten und einen arabisch-sunnitischen Teil im Süden erwogen werden.

Des Weiteren muss ein Ende des Waffenhandels, der immer wieder Bürgerkriege begünstigte, beschlossen werden. Wir vermuten, dass z. B. Saudi-Arabien den IS mit deutschen Waffen beliefert.

Um Wirkung zu erzielen und Probleme wirklich zu lösen, genügen nicht Absichtserklärungen und kosmetische Korrekturen. Der Dimension, der Dramatik und der Akzeleration der Entwicklung angemessen, sollten zeitnah grundlegende Entscheidungen von Tragweite getroffen werden.
 
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen Kraft und Durchhaltevermögen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Böttger                Georg Meusel                                                                Werdau, den 15. Okt. 2015

Gründungsmitglied Rudolf Albrecht nach schwerer Krankheit am 27.09.2015 verstorben
 
Rudolf Albrecht - Gründungsmitglied des King-ZentrumsRudolf Albrecht (geb. 1942), leistete nach seinem Theologiestudium in Leipzig von 1965 bis 1966 Wehrersatzdienst bei den Bausoldaten. Danach war er bis 1980 Pfarrer in Ziegenhain bei Meißen und bis 1996 in Dresden. 1975 gründete er das »Meißner Friedensseminar«, ein Pendant zum Friedensseminar Königswalde, wo er im Jahre 1973 das erste Referat hielt.

Er beriet und unterstützte junge Männer, die im Konflikt zwischen ihrem christlichen Glauben und der Wehrpflicht in der DDR standen.
Rudolf Albrecht gehörte zu den maßgeblichen Initiatoren der Friedens- und Versöhnungsarbeit in der sächsischen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche.
 
2008 wurde ihm von Landtagspräsident Erich Iltgen „für seine Verdienste als Wegbereiter der friedlichen Revolution“ die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen, aus Anlass »20 Jahre Friedliche Revolution« erhielt er 2009 den Sächsischen Verdienstorden.
 
Die Beerdigung wird am Freitag, 2. Oktober 2015, um 13 Uhr auf dem Trinitatusfriedhof in Dresden stattfinden.
 
Unsere Welt ist um einen guten Freund und Mitstreiter ärmer geworden.

Sanfte Töne, starke Worte - kritische Liedermacher in der DDR
Vernissage zur Ausstellung am 05.09.2015 um 18:00 Uhr

Ausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit und Zivilcourage e.V. Werdau

Passend zur Ausstellung umrahmt der freie Künstler und Multiinstrumentalist Michael »Meikel« Müller die Vernissage mit seinen Interpretationen sanfter Töne.
(Ausstellungszeitraum: 07.09. – 02.10.2015)

Königliches Kurhaus, Badstr. 25, 08645 Bad Elster

25 Jahre erste SED-unabhängige Zeitung in Sachsen und Pressefreiheit heute
Erinnerung an das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt von 1990 im Rathaus Crimmitschau

„Freiheit! Zu Risiken und Nebenwirkungen“ ist Jahresthema der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Sie griff daher die Initiative der Crimmitschauer Vorbereitungsgruppe für die Reihe „Aufbruch in die Freiheit“ auf und lädt gemeinsam mit ihr und dem MLKZ aus Anlass „25 Jahre Friedliche Revolution, deutsche Einheit und Neugründung des Freistaates Sachsen“ für Mittwoch, den 17. Juni 2015 von 17 bis 18:30 Uhr zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung ins Rathaus Crimmitschau ein.

In dieser Veranstaltung kommen Zeitzeugen im Gespräch zu Wort. Es wird eine kurze Multimediapräsentation mit teilweise unveröffentlichten Bildern und Videosequenzen gezeigt. In der Zeit der Aufbruchsstimmung der Friedlichen Revolution und des „wunderbaren Jahres der Anarchie“ 1990 war das überwiegend von Laien gemachte Blatt von Januar bis August 1990 eine wichtige Informationsquelle. Der Hunger nach einer unzensierten Zeitung war so groß, dass von der ersten Nummer auf dem Werdauer Marktplatz aus dem Stand mehr als 2000 Exemplare verkauft wurden. Bei der Abholung der Zeitungen aus der Druckerei in Zwickau wurde das Auto manchmal von so vielen Menschen umringt, die das Blatt kaufen wollten, dass erst nach einer Stunde losgefahren werden konnte. Anfangs wurde das Blatt von mehr als 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt. Zeitweise besaß es sogar eine zweimal wöchentlich besetzte Lokalredaktion in Crimmitschau. Als noch vor der Währungsunion die bunte Papierlawine aus dem Westen anrollte, konnte die kleine DDR-Zeitung nicht mehr mithalten. „Mehr als ein historischer Augenblick war ihm nicht vergönnt“, schrieb die FAZ über das Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt. Doch für die Akteure von damals bedeutet es viel, diesen „historischen Augenblick“ neu erwachender Pressefreiheit in der Geschichte der DDR mit geprägt und auf dem Weg zur deutschen Einheit und Wiedergründung des Freistaates Sachsen kritisch, ideenreich und humorvoll begleitet zu haben. 

Vortrag am 24.04.2015 um 19 Uhr
Fanprojekt Zwickau e. V., Paul-Fleming-Straße 13, 08066 Zwickau

Aktivisten der Freiheit

mit Bernd Gerber, Martin-Luther-King-Zentrum

Die Widerstandsgruppe „Aktivisten der Freiheit“, zu der etwa 20 Personen gehörten, gründete sich 1950 im Raum Zwickau – Werdau. Sie trat mit friedlichen Mitteln für ein nichtkommunistisches und wiedervereintes Deutschland ein und stellte den Herrschaftsanspruch der SED in Frage. Während eines Fußballspiels 1951 von Motor Zwickau gegen den FC Schweinfurt 05 verteilten die Aktivisten Flugblätter mittels zweier Raketen im Zwickauer Stadion. Nur 6 Tage nach der Flugblattaktion wurden einige Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet.
17 Personen wurden verurteilt, darunter 5 zum Tode. Die anderen wurden zu 25 bzw. 10 Jahren in russischen Gulags verurteilt. Die Todesurteile wurden 1952 in Moskau vollstreckt, die Entlassungen aus den Lagern erfolgten 1953 und 1955. 1994 wurden die Gruppenmitglieder durch russische Militärstaatsanwälte rehabilitiert.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Tage der Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region

Vortrag und Diskussion am 16.04.2015 um 19:00 Uhr
Martin-Luther-King-Zentrum, Stadtgutstraße 23, 08412 Werdau

Die DDR - Eine Diktatur des Proletariats oder ein Unrechtsstaat?

Prof. Eckhard Jesse

Im Zuge der Regierungsbildung im Freistaat Thüringen Ende 2014 wurde die Verfasstheit der DDR und der SED kontrovers diskutiert. Während die einen die Anerkennung der DDR durch die UNO hervorhoben, betonten die anderen, dass die DDR keine legitime Regierung hatte. Kontrovers blieb auch die Fragestellung, wieviel SED heute noch in der Linkspartei steckt.

Historischer Hintergrund: Im Jahre 1946 fanden in der sowjetisch besetzten Zone Wahlen statt, aus denen die SED vor CDU und LDP als stärkste Partei hervorging. Bei den nächsten Wahlen in Ostdeutschland ab 1950 konnten die Wähler sich nicht mehr zwischen Parteien sondern nur noch für eine Einheitsliste entscheiden. Damit hatte die SED ab 1950 keine politische Legitimation mehr, das Land zu regieren.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Tage der Demokratie und Toleranz in der Zwickauer Region in Zusammenarbeit mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung

Nacht der Spiele im King-Zentrum

Vergnügen und spielend Demokratie lernen


Am Abend des Freitag, 27. März 2015, gibt es im Martin-Luther-King-Zentrum in Werdau-West eine Nacht der Spiele, in die Jung und Alt eingeladen sind.
In mehreren Kleingruppen können Kinder vom Schulalter an, Jugendliche und Erwachsene aus verschiedenen Spielen auswählen. Mit dem von Martin Böttger entworfenen preisgekrönten „Bürokratopoly“  kann man nachspielen, wie sich seinerzeit bis hin zum SED-Generalsekretär die DDR-Machtpyramide entwickelt hat.
Von „Papua“, „Ubongo“ und anderen bis „Wüstentrack“ werden mehrere verschiedene Brettspiele  angeboten. Darunter sind kooperative Spiele, in denen man nur gemeinsam gewinnen kann, z.B. „Scirocco“, in dem gegen eine drohende Naturkatastrophe gekämpft wird. Auch Spiele, die unter „selbstgemacht“ zu DDR-Zeiten West-Spielen nachgebaut wurden, wie ein Roulette und ein „abgekupfertes“ „Scotland Yard“ kann man nicht nur besichtigen, sondern auch nochmals zum Leben erwecken.
Schüler, Jugendliche und Erwachsene sind gleichermaßen willkommen, spielend Demokratie zu lernen oder einfach nur zu entspannen und sich zu vergnügen.
Die „Nacht der Spiele“ beginnt um 17 Uhr und soll als Richtwert bis 23 Uhr dauern, wenn nicht besonders Begeisterte noch „open end“ weiterspielen wollen. Es ist auch möglich, nur zeitweise teilzunehmen.

Vernissage der Ausstellung

"Unter Druck" – Die Zeitungen der Friedlichen Revolution

Für Donnerstag, den 5. Februar 2015 um 16 Uhr laden das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau und Oberbürgermeister Stefan Czarnecki zur Eröffnung der Foyer-Ausstellung „Unter Druck – Die Zeitungen der Friedlichen Revolution“ in den historischen Ratssaal im Rathaus Werdau ein.

Die auf 20 Rollups gestaltete Wanderausstellung des King-Zentrums wurde gefördert vor allem durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und erstmalig 2009 unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsident Mathias Rößler im Sächsischen Landtag eröffnet. Ergänzend werden in den Vitrinen im Treppenhaus des Rathauses originale Exponate des Werdau-Crimmitschauer Wochenblatts aus dem Jahr 1990 gezeigt.

Die Hauptausstellung behandelt den ständigen Kampf um Pressefreiheit seit Beginn der Zeitungsgeschichte vor 365 Jahren bis heute. Schwerpunkt ist der schwierige Aufbruch zur Vielfalt gegenüber der eintönigen Parteipresse der DDR im Verlauf der Friedlichen Revolution, als Ende 1989 die ersten unabhängigen Zeitungsgründungen stattfanden und im Januar 1990 mit dem Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt die erste SED-unabhängige Zeitung in Sachsen herausgegeben wurde. Vor dem Hintergrund der Pegida-Sprechchöre „Lügenpresse, Lügenpresse!“ gewinnt die Ausstellung nochmals besondere Aktualität. In der Ausstellung werden fundiert viele Gesichtspunkte auch der heutigen Presselandschaft beleuchtet und hinterfragt, so dass die Exposition nicht nur ein hervorragendes Informationsmittel, sondern auch ein gutes Instrumentarium zur Bildung einer eigenen Meinungsfindung darstellt.

Die Ausstellung ist bis zum 24. Februar 2015 im Rathaus-Foyer zu sehen.  
-> Rathaus Werdau

US-Generalkonsul Scott Riedmann besucht zum Martin Luther King Day Werdau

Einladung zur Finissage der international preisgekrönten philatelistischen Martin-Luther-King-Ausstellung


Anlässlich des Martin-Luther-King-Tages am 19. Januar besucht US-Generalkonsul Scott R. Riedmann aus Leipzig in Verbindung mit der Finissage der philatelistischen Ausstellung „Martin Luther King – Gewaltfreier Kampf für Gerechtigkeit und Frieden“ das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau. Dabei geht es um die Würdigung Kings und seines Gedankengutes. Der jeweilige Montag nach seinem Geburtstag am 15. Januar ist in den Vereinigten Staaten offizieller Feiertag.

Generalkonsul Riedmann wird in seinem Grußwort auf die Errungenschaften Martin Luther Kings und deren Bedeutung für aktuelle gesellschaftliche Konflikte in den USA und Deutschland eingehen und mit den Besuchern darüber ins Gespräch kommen.

Die philatelistische Schau wurde gemeinsam vom Martin-Luther-King-Zentrum e.V. und von den Briefmarkenfreunden Zwickau e.V. organisiert. Aussteller ist Georg Meusel, der das Exponat schon seit 1970 innerhalb der DDR, in Wolgograd/Sowjetunion sowie auf Weltausstellungen in Poznan/Polen und Prag/CSSR zeigen konnte. Er versuchte auf diese ungewöhnliche Weise, das Gedankengut der gewaltfreien Konfliktlösung in einem ideologischen Umfeld unter die Leute zu bringen, wo offiziell die bewaffnete Revolution und der Befreiungskrieg propagiert wurde. Der Aussteller meint humorvoll zu seinem Exponat: „Zähne zeigen - Widerstand braucht Phantasie. Die DDR-Bürger verstanden es nicht nur, zwischen den Zeilen zu lesen, sondern auch zwischen Zähnen“. Das Exponat wurde weiterentwickelt und ist von daher mit seiner thematischen Aussage auch heute aktuell, wo innerstaatlich und zwischenstaatlich noch immer so viel auf Gewalt als vermeintliche Konfliktlösungsmöglichkeit gesetzt wird.

Das thematische Exponat umfasst inzwischen 90 Blätter, die in fünf Rahmen gezeigt werden. Im Jahr 2014 wurde es im schweizerischen Lugano und in London ausgestellt und ist seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder in Werdau zu sehen. Gestaltet ist es nicht nur mit Briefmarken, sondern auch mit einzigartigen Dokumenten zum Thema Martin Luther King, zu Gewaltfreiheit in internationalen Beziehungen und zum Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Damit ist es nicht nur für Briefmarkensammler reizvoll, sondern auch für eine interessierte Öffentlichkeit aller Altersgruppen.

In der Finissage wird auch die Ausgabe von sechs individuellen Sonderbriefmarken mit Martin-Luther-King-Motiven aus dem Jahr 1964 präsentiert, die in geringer Auflage erschienen und zu je 45 Cent frankaturgültig sind. Sie zeigen Fotos von Kings Besuch bei Papst Paul VI. im Vatikan, von seiner Predigt in der St Paul’s Cathedral in London und von der Friedensnobelpreisverleihung in Oslo.

Für Montag, den 19. Januar um 18 Uhr laden das Martin-Luther-King-Zentrum und die Briefmarkenfreunde Zwickau e.V. alle philatelistisch und gesellschaftspolitisch Interessierten zur Finissage in Anwesenheit von US-Generalkonsul Riedmann ins  King-Zentrum in Werdau-West, Stadtgutstraße 23 ein.

Bis zur Finissage kann die Ausstellung bis zum 15. und am 19. Januar während der Bürozeiten des King-Zentrums 9 bis 16 Uhr sowie zu anderen Zeiten nach Voranmeldung über Telefon 03761-4780054 besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

"Die Verschiebung des Horizonts"

Buchlesung und Gespräch
Dienstag, 27. Januar 2015 um 18:30 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau

Joachim Krause, früher Rockmusiktexter („Am Abend mancher Tage“) und Umweltaktivist, war von 1982 bis 2010 als Naturwissenschaftler bei der Evangelischen Kirche in Sachsen angestellt als „Beauftragter für Glaube, Naturwissenschaft und Umwelt“. Über seine spannenden und verwirrenden dienstlichen und privaten Erfahrungen in den aufregenden Jahren des Umbruchs mit Themen wie Waldsterben und Uranbergbau und Gentechnik und Organspende (und mit der Stasi) hat er ein Buch geschrieben: „Die Verschiebung des Horizonts“.

Eintritt frei.

FreiRAUM PRESSEfreiheit

Multimediavortrag und Podiumsdiskussion
"25. Jahrestag der ersten SED-unabhängigen DDR-Zeitung in Sachsen"

Montag, 5. Januar 2015 um 18 Uhr im Stadtverordnetensaal des Rathauses Werdau

Am 5. Januar 1990 erschien mit dem "Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt" (WCW) die erste parteiunabhängige Zeitung in Sachsen. Für den 25. Jahrestag dieses Meilensteins zur Erringung von Pressefreiheit in der DDR, mit der eine der ersten Forderungen der Demonstranten vom Herbst 1989 und der Runden Tische erfüllt wurde, lädt die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Martin-Luther-King-Zentrum e.V. Werdau zu einer öffentlichen Multimediapräsentation mit Podiumsdiskussion im Stadtverordnetensaal des Rathauses Werdau ein.

Diese Wochenzeitung erschien unter abenteuerlichen Umständen noch vor den großen Zeitungen der Friedlichen Revolution, wie "Die Andere" in Berlin oder "Wir in Leipzig" und "Die andere Zeitung" in der sächsichen Metropole. Während die "Lausitzbotin" in Ostsachsen nur eine einzige Nummer schaffte, brachte es das WCW auf 33 Ausgaben, bevor es, wie vorher schon andere Zeitungsneugründungen in dieser Zeit, im August
1990 unter der bunten Papierlawine aus dem Westen unterging.
Die Redaktion musste vier Monate lang ohne einen Telefonanschluss arbeiten und besaß keinen hauptberuflichen Journalisten. Doch in der seit dem Revolutionsherbst 1989 anhaltenden Welle der Hochstimmung arbeiteten mehr als 60 Ehrenamtliche mit, von redaktionellem Einsatz bis zum Vertrieb. Der Hunger nach einem unzensierten Wort war so groß, dass der alte sowjetische Lada, mit dem die Zeitung von der Druckerei in Zwickau abgeholt wurde, manchmal erst nach mehr als einer Stunde starten konnte, weil er von einer Menschentraube von Käufern umringt wurde, denen die Zeitung aus den Fenstern gereicht wurde, während die Markstücken in der Eile auf den Rücksitz flogen.
Die Zeitung brach manches jahrzehntelange Tabu. Längst erwachsene Kinder von Werdauer Oberschülern, von denen 19 im Jahr 1951 zu insgesamt 130 Jahren Zuchthaus verurteilt worden waren, erfuhren durch das WCW 39 Jahre später von dem damaligen Schicksal ihrer Eltern.
Diese und andere spannende Episoden aus dem "wunderbaren Jahr der Anarchie" in der demokratisierten DDR, bevor sie der Bundesrepublik Deutschland beitrat, werden in der Präsentation in Wort, Bild und Film in Erinnerung gerufen.
"Mehr als ein historischer Augenblick war ihr nicht vergönnt", schrieb im Nachhinein die Frankfurter Allgemeine Zeitung über das kleine Wochenblatt. Doch für die Akteure und die Leser war das viel und bedeutete Glück, einen entscheidenden historischen Augenblick deutscher Geschichte mitbegleitet und mitgestaltet zu haben, buchstäblich, unter Druck und Schwarz auf Weiß.

Im Anschluss können die Besucher mit den Podiumsteilnehmern darüber diskutieren, ob Pressefreiheit heute noch ein hohes Gut oder selbstverständlich geworden ist und ob es sie überhaupt gibt.

Die Landeszentrale für politische Bildung Dresden hat "Freiheit" zu ihrem Jahresthema gemacht und darin der Pressefreiheit breiten Raum gewidmet. Dem "Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt" als erster parteiunabhängiger Zeitung in Sachsen räumte sie in ihrem Flyer vier ganze Seiten ein:
http://www.slpb.de/fileadmin/media/Publikationen/Newsletter/Newsletter_2015/slpb_newsletter_1-15_web.pdf

Eintritt frei.

King-Monografie von Gerd Presler in 17. Auflage

Die rororo-Bildmonographie "Martin Luther King" von Prof. Gerd Presler aus Weingarten, Gründungsmitglied des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau, ist nach 30 Jahren, wiederholt überarbeitet, immer noch ein Renner auf dem Büchermarkt. Es erschien jetzt schon in 17. Auflage. Neben der ausführlichen Biografie des Amerikaners Stephen B. Oates ist es auf 160 Seiten die zuverlässigste deutschsprachige Kurzbiografie Kings, die mit vielen Fotos und Dokumenten angereichert ist.

Im Martin-Luther-King-Zentrum können vom Autor signierte Exemplare des Taschenbuches zum Preis von 8,99 Euro erworben werden.

50 Jahre Friedensnobelpreis für Martin Luther King – philatelistische Ausstellung in Werdau

Individuelle Sonderbriefmarken zum Thema bereichern die Veranstaltung

Zwickau/Werdau. Für Mittwoch, den 10. Dezember 2014 um 18:30 Uhr, laden das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau e.V. und die Zwickauer Briefmarkenfreunde e.V., vertreten durch seinen Vorsitzenden Horst Vorberg, gemeinsam zur Ausstellungseröffnung „Martin Luther King – gewaltfreier Kampf für Gerechtigkeit und Frieden“ ins King-Zentrum in Werdau-West ein. Anlass für die Briefmarken-Werbeschau ist der 50. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an Martin Luther King am 10. Dezember 1964 in Oslo. Es werden 75 Blätter aus dem 100seitigen philatelistischen Exponat über King von Georg Meusel gezeigt.

Voraussichtlich wird auch die Ausgabe von sechs individuellen Sonderbriefmarken mit Martin-Luther-King-Motiven aus dem Jahr 1964 präsentiert, die in geringer Auflage erscheinen und zu je 45 Cent frankaturgültig sind. Sie zeigen Fotos von Kings Besuch bei Papst Paul VI. im Vatikan, von seiner Predigt in der St Paul’s Cathedral in London und von der Nobelpreisverleihung in Oslo. Wenn sie von der Deutschen Post rechtzeitig geliefert werden, können Sammler die Postwertzeichen mit dem Jubiläumsdatum der Nobelpreisverleihung am 10. Dezember bei der Post stempeln lassen bzw. ihre Weihnachtspostkarten damit frankieren.

Die Ausstellung im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau wird voraussichtlich bis zum „King-Day“ am 19. Januar 2015 gezeigt, dem auf Kings Geburtstag folgenden Montag, der in den USA offizieller Feiertag ist.

"Grenzbilder und Wendegeschichten" im Rathaus zu Werdau

Verein "Vielfalt für Bürger" lädt zu Veranstaltung über deutsche Teilung, Friedliche Revolution und Grenzöffnung ein

Neukirchen/Werdau. Der Verein "Vielfalt für Bürger" Neukirchen lädt in Zusammenarbeit mit dem Martin-Luther-King-Zentrum Werdau für Dienstag, den 18. November 2014 um 15 Uhr, zu einer Veranstaltung „Grenzbilder und Wendegeschichten“ in den Stadtverordnetensaal des Rathauses Werdau ein. Das etwa zweistündige Programm, erinnert nochmals an die Friedliche Revolution und die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze vor 25 Jahren. Dazu gehören eine Foto-Collage und ein Kurzfilm „Mödlareuth – ein geteiltes Dorf“, Original-Plakate und –Transparente von den Demonstrationen und vom Wahlkampf 1989/1990, ein Zeitzeugenbericht über das Friedensseminar Königswalde mit Elke Herrmann, die Powerpoint-Präsentation „Wunde Punkte – Wendepunkte“ mit „bewegten und bewegenden Bildern“ aus den Jahren 1989/1990 von Georg Meusel, eine Diskussion und ein Kurzfilm über den innerdeutschen Grenzabschnitt Schifflersgrund. 
Die Moderation übernimmt Dr. Hansjürgen Beier.

Wanderausstellung

"Es ging seinen Gang - Kritische Literatur in der DDR"

Eröffnung am Donnerstatg, 6. November 2014 um 18:30 Uhr in der Stadtbibliothek Chemnitz im TIETZ, Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz, mit dem Schriftsteller und Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Lutz Rathenow.

„Immer wieder waren Bücher imstande, Unruhe zu erzeugen oder in gesellschaftliche Auseinandersetzungen einzugreifen“ beschreibt es der einstige DDR-Schriftsteller Jurek Becker zutreffend. Obwohl sich viele der Autoren als Sozialisten verstanden, kontrastierten sie Schein und Sein, Anspruch und Wirklichkeit des real existierenden Sozialismus im Rahmen der gegebenen Grenzen, die sowohl durch die herrschende Doktrin als auch vom Bewusstsein des jeweiligen Autors bestimmt wurden.

Die Ausstellung stellt auf 20 Roll-Up-Tafeln beispielhaft kritische DDR-Autoren vor (Volker Braun, Erwin Strittmatter, Brigitte Reimann, Stephan Heym, Christa Wolf, Franz Fühmann, Erich Loest, Reiner Kunze, Monika Maron, Frank-Wolf Matthies, Adolf Endler, Lutz Rathenow). Darüber hinaus werden Beispiele zur Rezeption und Verbreitung von Literatur in der DDR aufgezeigt.
Die Ausstellung wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, dem Landkreis Zwickau und der Stadt Werdau.

Sie ist bis zum 6. Januar 2015 zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen.
Herzliche Einladung!


Bilder von der Eröffnung


 

Geld stinkt doch

Die Friedliche Revolution und die Deutsche Bank


Im Rathaus zu Werdau berichteten am 3. November, genau 25 Jahre nach dem ersten Friedensgebet und der ersten Demonstration in der damaligen Kreisstadt, während und nach einem Multimediavortrag über die Friedliche Revolution über persönliche Erlebnisse und Eindrücke. Sie brachten diese in aktuellen Bezug, wie sie beispielsweise damals Freie Wahlen forderten und heute eine Wahlbeteiligung von weniger als 50 Prozent erleben.

"Die Revolution geht weiter" - Manfred Bauer aus Dresden, der 1989 im kirchlichen Bereich zu den Hauptakteuren in Werdau gehörte, widersprach seinem damaligen Mitstreiter Georg Meusel, der dazu eingeladen hatte, zur Erinnerung an der früheren SED-Kreisleitung wie damals Kerzen abzustellen. Bauer meinte, diese Kreisleitung gebe es ja nun nicht mehr. Aktuell sei aber nach wie vor, was er damals in der Zeit der "DDR-Aluchips" öffentlich als Befürchtung ausgesprochen und was sich bewahrheitet habe: dass "die Zeit des harten Geldes zu einer harten Zeit des Geldes" wird, dass wir von der SED-Diktatur unter die Diktatur des Gelde geraten seien. Er schlug eine Mahnwache mit den mitgebrachten Kerzen an der Deutschen Bank vor, wofür er einen Karton mit der Aufschrift
"Geld arbeitet nicht" vorbereitet hatte. Damit sollte angemahnt werden, wie die Finanzwelt ohne Werte zu schaffen, mit virtuellen Manipulationen Geld von unten nach oben verteilt, womit Einzelne auf Kosten der Vielen sich bereichern. Speziell die Deutsche Bank sei mit ihren Geschäften in Menschenrechtsverletzungen,  Umweltverschmutzung und Waffengeschäfte verstrickt.

Eine Gruppe Werdauer beteiligten sich dann an der Filiale der Deutschen Bank in Werdau an dieser symbolischen Aktion. Eine Kerzen-Mahnwache unter dem Slogan "Geld arbeitet nicht" an der Deutschen Bank in Werdau prangert die Tatsache an, dass dieeinen in harter Schichtarbeit bei VW am Band stehen und Werteschaffen, während die Finanzwelt mit virtuellem Geld eine gigantische Umverteilung der erwirtschafteten Werte von unten nach oben umverteilen.                                                                                                                                                                                                                                   Georg Meusel

Stadtrundgang zu Stationen der Friedlichen Revolution in Werdau

Auf den Tag genau 25 Jahre nach dem ersten Friedensgebet und der ersten Demonstration während der Friedlichen Revolution in Werdau boten Zeitzeugen eine thematische Stadtführung zu Stationen der damaligen Ereignisse an. An der ehemaligen Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit berichteten Zeitzeugen, wie sie Anfang Dezember 1989 Einlass begehrten und die Räume besichtigten, um den Abtransport und die Vernichtung von Akten zu stoppen. Als sie das Waffenarsenal im Keller gesehen hatten, verlangten sie dessen Übergabe an die Volkspolizei. Der Leiter der Dienststelle, Major Rainer Dörr, antwortete: "Wann hätten sie's denn gern?" und die Bürger sagten: "Morgen mittag um eins". Am nächsten Tag stand ein Polizei-LKW in der Einfahrt. Unter den Augen der Demonstranten zählten Stasileute jede Kalaschnikow und jedes Munitionsmagazin den Volkspolizisten vor und trugen sie in eine Liste ein. 

Vor dem Tor der früheren Stasi-Kreisdienststelle Werdau zeigt einer der damaligen Hauptakteure der Friedlichen Revolution im Kreis Werdau eine Erinnerungstafel, die am authentischen Ort angebracht werden soll. Ein "Weg der Friedlichen Revolution" markiert in Werdau und Umgebung 17 Stationen, wo 1989/1990 besondere Ereignisse und Aktionen stattfanden.
                                                                  Georg Meusel

Das Wunder vom Checkpoint Charlie

Kollege Martin Luther King - der Mann, der durch die Mauer ging
Der “Negertheologe” Martin Luther King ohne Pass und Visum in der “Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik” Martin Luther Kings Ost-Berlin-Besuch vor 50 Jahren, am 13. September 1964

Mit der Kreditkarte durch die Berliner Mauer
"Am 13.9.1964 gegen 19.40 Uhr erscheint der Negertheologe Dr. Martin Luther King ... zur Einreise mit einem VW Bus BZX 27 an unserem KPP”, dokumentiert es Oberst Engelbrecht von den DDR-Grenztruppen gegenüber der Hauptabteilung Passkontrolle und Fahndung des Ministeriums für Staatssicherheit an dem Kontrollpunkt, der im Westen Checkpoint Charlie genannt wird.

“In seiner Begleitung befinden sich zwei USA-Bürger ... Diese beiden Bürger geben am Schalter an, dass ihr Kollege, sie nannten keinen Namen, den Reisepass in Westberlin vergessen hat”. Nun, er hatte ihn nicht vergessen. Das US State Department wollte nicht, dass King, der in den USA von seinen Gegnern als “Kommunist” verschrien war, zu den “Kommunisten” reist, und hatte seinen Pass eingezogen. So sein Begleiter und Dolmetscher Ralph Zorn, Pfarrer für die in West-Berlin stationierten US-Truppen.

Wenige Tage vor seinem Berlin-Besuch hatte sich Martin Luther King gegen die Präsidentschaftskandidatur des konservativen Hardliners der Republikaner Barry Goldwater ausgesprochen, der die Bürgerrechtsgesetze zurückschrauben wollte und zur US-Aussenpolitik erklärte, mit der Atombombe könne man "prima den vietnamesischen Dschungel entlauben". Dafür wurde King im Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), dem NEUEN DEUTSCHLAND, hoch gelobt. Doch so nah, dass er in Ost-Berlin predigte, wollte die SED-Führung mit ihrer Ideologie der bewaffneten Revolution und des Befreiungskrieges den afroamerikanischen Bürgerrechtskämpfer mit seiner Gewaltlosigkeit nun auch wieder nicht haben, zumal Parallelen der politisch-ideologische Diskriminierung in der DDR zur rassischen Diskriminierung in den USA vielen ihrer Bürger längst aufgefallen waren. Wenige Tage zuvor, am 1. September, war das Bausoldatengesetz zur Entkriminalisierung, aber auch zur Kanalisierung der Wehrdienstverweigerer in der DDR, in Kraft getreten und daher das Thema Gewalt und Gewaltfreiheit in vieler Munde. Keine Zeitung, kein Rundfunksender der DDR meldete Kings Ost-Berlin-Besuch. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda in den Kirchgemeinden funktionierte und der West-Berlin-amerikanische Sender RIAS half ein wenig nach.

Rund 3000 Menschen standen nichtsahnend vor dem Portal der Marienkirche am Alexanderplatz, wo sich der Neptunbrunnen befindet, als Martin Luther King am Checkpoint Charlie gerade Richtung Westen umkehren wollte.
"Sie wollen jetzt zur Marienkirche zur Predigt", schrieb der DDR-Grenzoffizier weiter in seinen Bericht an die Stasi. "Da der bis dahin noch nicht bekannte Dr. King sich nicht ausweisen konnte, sagten wir ihm, dass er ohne Pass nicht ins demokratische Berlin einreisen kann. Als alle drei Bürger nach West-Berlin zurückgehen wollten, erkannte der Unterleutnant Lindemann den Dr. King."

Und nun folgt das Wunder vom Checkpoint Charlie mit Hilfe eines Engels, der den Engel im Namen führte, aber die Uniform eines Offiziers der DDR-Grenztruppen trug:
"Er hielt die drei Personen auf und verständigte den Unterzeichnenden. Danach  befragt, ob der Dr. King irgend einen anderen Pass bei sich trage, wies er einen Scheckausweis der USA vor ... Der Ausweis ist gesiegelt und vom Dr. King unterschrieben ...". Mit der Kreditkarte, ohne Pass und Visum, liess DDR-Oberst Engelbrecht nach Ost-Berlin einreisen.

Schüsse in den "stillen Strassen jenseits der Mauer"
Am 12. September 1964 war Martin Luther King der Einladung des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Willy Brandt, zu einer Gedenkveranstaltung für den vor rund einem Jahr ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy gefolgt, der kurz zuvor im Westen der geteilten Stadt unter dem Jubel der Massen seinen zur Legende gewordenen Ausspruch "Ich bin ein Berliner" getan hatte. Zum "Tag der Kirche" sprach King am 13. September vor rund 20 000 Zuhörern in der Waldbühne, im Rahmen der "Berliner Festwochen" im Gedenken an Kennedy in der Philharmonie, und besichtigte die Mauer. Die Kirchliche Hochschule verlieh ihm den Ehrendoktortitel. Willy Brandt sprach die Bedeutung Kings auch für die Menschen jenseits der Mauer an: "Ich begrüsse Herrn Dr. Martin Luther King, der mit Mut und Mass sein Leben dieser grossen Aufgabe gewidmet hat, der Freiheit und seinem Land zu helfen, indem er für die Gerechtigkeit seiner Brüder kämpft. ... Ich wäre froh, wenn von diesem Ort eine Botschaft des Selbstvertrauens und der Hoffnung ausgehen würde zu vielen Völkern, aber auch in "den stillen Strassen jenseits der Mauer", von denen Kennedy sprach. Zu allen Menschen, die über die zuweilen engen Fragestellungen der Politik hinweg einem Leben in Frieden und Freiheit und Würde entgegenstreben."

Fast zeitgleich hallen Schüsse durch die "stillen Strassen jenseits der Mauer". Der Flüchtling Michael Meyer wird von fünf Kugeln verletzt und von einem US-Sergeanten mit einem Seil über die Mauer gezogen. Der "Apostel der Gewaltlosigkeit" eilt mit seinen Begleitern zum Ort des Geschehens, wo Einschusslöcher an einer Hauswand zu sehen sind. Der Mauerflüchtling erklärt später, King habe ihn im Krankenhaus besucht. Doch darauf findet sich weder bei King selbst noch bei Zeitzeugen ein Hinweis.

Eine verwaiste Kirche mitten in Berlin
Wer ihn denn nach Ost-Berlin eingeladen habe, wurde Martin Luther King am Vortag bei seiner Ankunft gemeinsam mit seinem besten Freund, Mitstreiter und Mahner im Blick auf seine gelegentlichen sexuellen Kapriolen mit anderen Frauen als mit seiner Coretta, Reverend Ralph Abernathy, von Reportern gefragt. King bezog sich auf Propst Heinrich Grüber, bekannt geworden durch sein Büro in Berlin, in dem er während des Nationalsozialismus mit gefälschten Pässen Juden zur Ausreise verholfen hatte. Dafür warer in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau inhaftiert worden. Nach dem Krieg sagte er als einziger Zeuge, der Christ war, im Eichmann-Prozess aus. Er wurde Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche bei der DDR-Regierung, bis diese ihm 1958 die Akkreditierung entzog. Nach dem Mauerbau 1961 erfolgte ein Willkürakt, der selbst der Verfassung der DDR widersprach. Grüber als Propst der Ost-Berliner Stadtkirche St. Marien wurde, wie auch der für ganz Berlin zuständige Präses Kurt Scharf, aus der DDR ausgebürgert, 15 Jahre,  bevor dies dem Liedermacher Wolf  Biermann widerfuhr.

Einer der beiden Pfarrer der Marienkirche war im Gefängnis, weil er Menschen zur Flucht nach dem Westen verholfen hatte, der andere war in den Westen übergesiedelt, so dass keiner der drei Geistlichen der gastgebenden Kirchgemeinde anwesend war, als Martin Luther King eine Gasse durch die wartende Menge vor dem Portal gebahnt wurde. Der gerade neu ins Amt gekommene Superintendent Gerhard Schmitt übernahm aus Verlegenheit die Begrüssung des Gastes aus den Vereinigten Staaten.

"Kinder Gottes zu beiden Seiten der Mauer" - "Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen"
Von den wartenden 3000 konnte nur die Hälfte in das Gotteshaus am Neptunbrunnen gegenüber dem Roten Rathaus eingelassen werden. Doch spontan wurde zu nächtlicher Stunde noch ein zweiter Gottesdienst mit dem schwarzen Bürgerrechtskämpfer angesetzt. Nachdem der Chor des "Paulinums", kirchliche "Schmalspur"-Ausbildungsstätte für Theologen, die nicht an den Universitäten der DDR studieren durften, Gospels gesungen hatte, trat atemlose Stille ein, als Martin Luther King auf der Schlüter-Kanzel der seit Jahrhunderten renommiertesten Kirche Berlins seine fast prophetische Predigt begann: "Meine lieben christlichen Freunde in Ost-Berlin ... Zu beiden Seiten der Mauer leben Gottes Kinder und keine von Menschenhand errichtete Grenze kann diese Tatsache auslöschen". Dann berichtete er von der schwarzen Näherin Rosa Parks, die sich 1955 in Montgomery/Alabama eines Tages geweigert hatte, im Bus ihren Sitzplatz einem Weissen frei zu machen, Auslöser für den 361 Tage währenden Busboykott von Montgomery, der die Rassendiskriminierung in den USA in Zeitungen und die ersten Fernsehbildschirme in aller Welt öffentlich machte. Kings weisser Amtskollege aus West-Berlin, der sonst den GIs predigte, übersetzt in holprigem Deutsch. King spricht von dem gemeinsamen Glauben und wagt Worte, die für die DDR, wo christlicher Glaube hinter Kirchenmauern verbannt wurde, unerhört sind: "Das ist der Glaube, den ich euch anbefehle, ... ein lebendiger, aktiver, grosser, öffentlicher Glaube, der uns den Sieg Jesu Christi bezeugt in der Welt, ob es eine östliche oder westliche Welt sei. In diesem Glauben werden wir aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen. ... In diesem Glauben werden wir miteinander arbeiten, miteinander beten, miteinander kämpfen, miteinander leiden, miteinander für die Freiheit aufstehen in der Gewissheit, eines Tages frei zu sein".

Gebannte Stille, geklatscht hat zu dieser Zeit noch niemand in einer deutschen Kirche. Als Kings Nachfolger Ralph Abernathy 1974 in Ost-Berlin von einer Kanzel sprach, brach er seine Predigt frustriert ab, als niemand "O yes Lord" oder "Hallelujah" rief. Doch was in Köpfen und Herzen von DDR-Bürgern geschah, die King im September 1964 erlebten, ist kaum zu ermessen. Eine damals junge Frau erklärte Jahrzehnte später: "Ich habe nicht alles verstanden, was Martin Luther King sagte, aber dieser Mann mit seiner Predigt hat mein Leben verändert".

Eine seit 35 Jahren erloschene Stimme wird lebendig
Was Martin Luther King damals gesagt hat und was auf andere Weise, durch Bücher von ihm und über ihn, durch Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen, durch Vorträge und Ausstellungen von seinem Gedankengut in Kirchgemeinden, Friedens- und Bürgerrechtsgruppen in die DDR einfloss, hinterliess eine Segensspur und schuf viele Multiplikatoren seiner Ideen und seiner Praxis der Gewaltfreiheit als gesellschaftsverändernder Faktor.

Was King 1964 in Ost-Berlin genau gesagt hat, wäre längst verloren, hätte es nicht ein zweites Wunder wie das vom Checkpoint Charlie gegeben. 39 Jahre nach der Rede, so viele Jahre wie sein gesamtes Lebensalter, 35 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Protagonisten der Gewaltfreiheit, wurde nach Recherchen des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit und Zivilcourage Werdau in Sachsen in einem Tresor im Keller der Marienkirche Berlin eine alte Orwo-Tonbandspule mit einem Mitschnitt der King-Predigt gefunden. Archivwissenschaftler meinten, die Haltbarkeit eines solchen Magnetbandes betrage bis zu 25 Jahren, wenn das Band jedes Jahr mindestens einmal umgespult wird, damit nicht die ständig aufeinanderliegenden gleichen Magnetschichten sich gegenseitig löschen, was allerdings niemals gemacht worden war. Tontechniker Falk Menke in Dresden liess das Band anlaufen. Es rauschte, knackte, brummte, und Menke sagte: "Da ist nur noch das Eigenrauschen des Bandes drauf". Dann wendete er die Spule. Es rauschte, knackte und brummte. Und aus dem Rauschen heraus erwachte, dumpf, aber verständlich und fast vollständig restaurierbar, die Stimme des seit 35 Jahren toten Martin Luther King noch einmal zum Leben: "Meine lieben christlichen Freunde in Ost-Berlin ..."

Viele Bildende Künstler in der DDR griffen Martin Luther King in Bild, Plastik und Textgrafik auf. Eberhard Tacke aus Berlin verbreitete zu Tausenden illegal gedruckte Grafikpostkarten mit einem King-Porträt und dem Zitat "Die Macht des Schwertes kann die Macht des Geistes nicht überwinden". Es wurden Songs und zwei Oratorien über ihn geschaffen.
Ein 80seitiges philatelistisches Exponat "Martin Luther King - gewaltloser Kampf gegen Unterdrückung und Krieg" tourte seit 1970 durch die DDR, wurde 1973 in Poznan und 1988 in Prag auf Weltausstellungen gezeigt sowie 1978 in Wolgograd und erreichte Hunderttausende Ausstellungsbesucher.

Im Jahr 1987 gelang es nach vierjährigen Bemühungen, zum Teil unter abenteuerlichen Bedingungen, wie dem Schmuggel von DDR-Sammlerbriefmarken, um das West-Geld für die Anschaffung zusammenzubekommen, den grossen Martin-Luther-King-Dokumentarfilm "... dann war mein Leben nicht umsonst", in die DDR zu bringen. Unter den argwöhnischen Augen der Staatssicherheit, die den Film aber nicht behinderte, wurde er vom Evangelischen Jungmännerwerk Magdeburg bis zur Friedlichen Revolution im Herbst 1989 in 138 Vorführungen vor 10535 Zuschauern gezeigt.

In einem der drei Friedensgebete in den grössten Kirchen Leipzigs am 9.Oktober 1989, in der Reformierten Kirche, war die Predigt von Pfarrer Hans-Jürgen Sievers ausschliesslich Martin Luther King und seinem Gedankengut der Gewaltfreiheit gewidmet, bevor der Aufruf der "Leipziger Sechs": "Keine Gewalt", verlesen wurde und die Tausenden Zuhörer sich dem Demonstrationszug der mehr als 70 000 anschlossen, der die Wende zur Gewaltfreiheit erreichte und die Bürgerproteste zur Friedlichen Revolution werden liessen.

"... dann war mein Leben nicht umsonst" - Martin Luther Kings Leben, auch für die Menschen in der Deutschen  Demokratischen Republik.

Georg Meusel

"Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen"

50 Jahre Martin Luther King in West- und Ost-Berlin, München und Rom
Exponate zur Thematik in Lugano, London und Berlin

 
Lugano/London/Berlin. Während in Berlin eine Festwoche aus Anlass des  50. Jahrestages von Martin Luther Kings West- und dem spektakulären Ost-Berlin-Besuch am 13. September 1964, seinem einzigen Ost-Block-Besuch überhaupt, begangen wird, werden in Lugano und London sowie im Nachgang während der Berliner Festspiele Exponate zum Thema gezeigt.

In Lugano zur multilateralen Ausstellung ALPENADRIA, die parallel zur  "ESPOSIZIONE DI FILATELIA NAZIONALE" im Centro Esposizioni Padiglione Conza zu sehen ist, wird von Freitag,12. bis Sonntag, 14. September 2014, das 90seitige Exponat "Martin Luther King - Gewaltfreier Kampf für Gerechtigkeit und Frieden" von Georg Meusel ausgestellt, 1998 Gründungsinitiator des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit und Zivilcourage in Werdau/Sachsen, Deutschland.

Das Exponat wurde schon zu DDR-Zeiten,1970, gestaltet, ausserhalb der DDR auch zu Weltausstellungen 1973 in Poznan/Polen und 1988 in Prag/CSSR sowie 1978 in Wolgograd/Sowjetunion und 1988 in Karlsruhe/BRD gezeigt und seitdem weiter ausgebaut.

Von Freitag, 19. bis Sonntag, 21. September ist das philatelistische King-Exponat Bestandteil der bilareralen Ausstellung Deutschland-Grossbritannien "STAMPEX" in London.

Am Sonntag, den 5. Oktober, findet im Rahmen der Berliner Festspiele "Ein Tag für Martin Luther King" statt. Dabei wird im Haus der Berliner Festspiele auf 20 grossformatigen Rollups die Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums "Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen - Martin Luther King und die DDR" gezeigt. Diese Exposition war erstmals 2013 in der Marienkirche in Berlin zu sehen, wo King 1964 gepredigt hat, und ist seitdem deutschlandweit unterwegs.

Anhand von Fotos, Dokumenten und Texten zeigt die Expo auf, welche Segensspur King in der kommunistischen DDR in Kirchgemeinden, in der Friedens- und Bürgerbewegung bis hin zur Friedlichen Revolution vor 25 Jahren hinterlassen hat. Zum Beispiel war eines der drei Friedensgebete in den grössten Kirchen in Leipzig, aus denen sich am 9. Oktober 1989 die Massendemonstration der mehr als 70 000 Menschen entwickelte, die die Wende zur Gewaltfreiheit erreichte, in der Reformierten Kirche, dem Thema Martin Luther King und seiner Botschaft gewidmet.
 
Martin Luther King war im September 1964 einer Einladung des Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin, Willy Brandt, gefolgt und sprach vor 20 000 West-Berlinern in der Waldbühne. Wie durch ein Wunder konnte er ohne Pass und Visum am Grenzübergang "Checkpoint Charlie" die Mauer durchschreiten und in den Ost-Berliner Kirchen St. Marien und St. Sophien vor mehr als 3 000 DDR-Bürgern predigen.

Anschliessend machte King kurz Station in München, bevor er zu einer Privataudienz bei Papst Paul VI. nach Rom weiterflog.

In den USA zurück, erreichte ihn während eines Krankenhausaufenthalts die Nachricht, dass er den Friedensnobelpreis erhalten soll. Im Dezember besuchte er London, wo er mit dem Indischen Premier Shastri zusammentraf.

Dann reiste er weiter zur Preisverleihung nach Oslo. Dort hielt er, der bis dahin jüngste Friedensnobelpreisträger, seine Rede "Die neue Richtung unseres Zeitalters" über den Kampf gegen Rassismus, Armut und Krieg.

Im Jahr 1966 wollte der Bürgerrechtler und Baptistenpfarrer aus Atlanta nochmals nach Europa reisen, als er zur Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft in Genf in der St.-Pierre-Kathedrale die Eröffnungspredigt halten sollte. Per Telegramm sagte er seinen Besuch aufgrund von Rassenunruhen in Chicago kurzfristig ab. Seine Predigt wurde via "Filmband", wie ein Video damals genannt wurde, nach Genf übertragen. Er stellte sie unter das Thema "Ein Klopfen um Mitternacht" über das Gleichnis Jesu vom "Bittenden Freund", der nachts um Einlass bittet. King bezog das auf die manchmal mit sich selbst beschäftigte Kirche, an die sich Menschen in Not oftmals vergeblich wenden würden. Die Weltkonferenz antwortete mit einem Brief an King, in der die Autoren betonten, dass die Nöte der Welt Vorrang vor Kirchentreffen haben müssten.
Kings Telegramm gehört zu den seltensten erhaltenen  postalischen Dokumenten von ihm.

Auf den Tag genau ein Jahr nach Kings Rede in der Riverside-Church in New York gegen den Vietnamkrieg, den er als erster prominenter Amerikaner öffentlich anprangerte, wurde der Bürgerrechtler und Friedensaktivist am 4. April 1968 ermordet.
 
Vor und während der Ausstellungen in Lugano, London und Berlin ist der Exponatgestalter Georg Meusel telefonisch über 0170-4641496 und persönlich zu erreichen.

Ehrenvorsitzender des King-Zentrums demonstriert in Russland mit "Schwerter-zu-Pflugscharen"

Georg Meusel, Gründungsinitiator und Ehrenvorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums, demonstrierte im August 2014 während des bewaffneten Ukraine-Russland-Konflikts von einem Postschiff auf dem Jenissej aus an Anlegestellen vor den Toren von Städten, wo viele Passagiere aus- und einstiegen und viele Einheimische die Aussteigenden willkommen hießen, für eine gewaltfreie Konfliktlösung.

Er hatte eine DDR-Fahne mit dem Schwerter-zu-Pflugscharen-Symbol, die laut Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tisches im Januar 1990 neue DDR-Staatsflagge werden sollte, an Bord geschmuggelt. Nachdem Meusel die Fahne an der Reling festgebunden hatte und von Bord gegangen war, war sie nach seiner Rückkehr verschwunden. Er vermutete, dass die Bordpolizei die Fahne konfisziert hätte. Nach der Ankunft des Schiffes in Dudinka, der nördlichsten Stadt der Welt, gab der Kapitän des 130-Personen-Schiffes zur freudigen Überraschung des Demonstranten ihm unversehrt die Flagge zurück.

Foto: Karin Stempel


Unter den Augen der Polizei hisste Georg Meusel vom Martin-Luther-King-Zentrum während einer privaten Sibirien-Reise im August 1014 in Krasnojarsk im Hotelfenster die Regenbogen-Friedensfahne als kleines Zeichen für eine friedliche Konfliktlösung zwischen Russland und der Ukraine.





In guter Gesellschaft

Margot Käßmann Ehrenmitglied des Martin-Luther-King-Zentrums

Berlin/Werdau. Mit großer Freude nahmen die Vorstandsmitglieder des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit und Zivilcourage e.V. Werdau einen handschriftlichen Brief von Professorin Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, in Empfang: „Sehr gerne nehme ich die Ehrenmitgliedschaft an“.

In Predigten und vor der Presse hatte Margot Käßmann immer wieder davon berichtet, wie sie  während eines USA-Aufenthaltes 1974 begonnen habe, sich für King zu interessieren, nachdem sie dort selbst Rassismus erlebt habe. Die Theologin bekannte, dass sie seinerzeit durch das Gedankengut Martin Luther Kings inspiriert worden sei, überhaupt Theologie zu studieren.
Zum 50. Jahrestag von Martin Luther Kings Rede „Ich habe einen Traum“ zum Marsch auf Washington 1963 erklärte Margot Käßmann im vorigen Jahr in Deutschlandradio Kultur: "Mich hat fasziniert, dass der Mensch so fromm und so politisch gleichzeitig sein kann". Sie betonte, King habe immer zum Gewaltverzicht aufgerufen. Darin sehe sie Parallelen zu den Montagsdemonstrationen in der DDR. In Leipzig, Dresden und Ostberlin sei 1989 der Ruf "keine Gewalt" von den Kirchen ausgegangen.

In einem Gespräch Margot Käßmanns am Donnerstag, den 17. Juli 2014 in Berlin mit dem Gründungsinitiator des Martin-Luther-King-Zentrums von 1998 Georg Meusel, der heute Ehrenvorsitzender ist, traten viele Gemeinsamkeiten  zu Tage. Sei es dieses „politische Christentum“ Martin Luther Kings, der immer wieder bestrittene, doch unübersehbare  Erfolg gewaltfreier Aktionen von der Befreiung Indiens unter Gandhi bis zur Friedlichen Revolution in der DDR, der Widerspruch zu den Aussagen von Bundespräsident Gauck zum „Einsatz militärischer Mittel als letztes Mittel“ und „dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen." Einig waren sich die beiden Martin-Luther-King-Verehrer auch in ihrer deutlichen Kritik an der deutschen Rüstungsexport-Politik.

Georg Meusel hatte sich seit den 1960er Jahren in der DDR intensiv mit Martin Luther King beschäftigt. Er war von dessen Vorbild und Aussagen wie „Kein Problem wird gelöst, wenn wir beständig darauf warten, dass Gott allein sich darum kümmert“ und „Ich wollte kein Zuschauer sein, ich wollte dort stehen, dort mittun, wo die Dinge sich entscheiden“ inspiriert. Seit 1970 versuchte er, durch Ausstellungsarbeit, Vorträge, Zeitungsartikel und den unter abenteuerlichen Umständen 1987 in die DDR eingeführten King-Dokumentarfilm „… dann war mein Leben nicht umsonst“, der bis zu Friedlichen Revolution mehr als 10 000 Zuschauer erreichte, Kings Ideen der gewaltfreien Konfliktlösung in der Gesellschaft unter die Leute zu bringen.

Margot Käßmann als Botschafterin der Kirche für das Reformationsjubiläum nahm auch den Gedanken interessiert auf, dass es bei aller inhaltlicher Verschiedenheit und unterschiedlicher Zeitepochen durchaus einen inneren Zusammenhang zwischen Martin Luther und Martin Luther King gebe. Kings Vater hatte nach einem Besuch des Baptistischen Weltkongresses 1934 in Berlin unter dem Eindruck der Biografie Luthers und der Luther-Gedenkstätten in Deutschland sich und seinen damals fünfjährigen Sohn von Michael King in Martin Luther King umbenannt.
In seinem Brief aus dem Gefängnis in Birmingham 1963 antwortete Martin Luther King Junior auf einen Extremismusvorwurf von Geistlichen: „… War nicht Martin Luther ein Extremist, als er sagte: ‚Hier stehe ich – ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen …‘. - Es mag wohl sein, dass der Süden, unser Volk, ja die ganze Welt schöpferische Extremisten bitter nötig haben“.
Bei seinem spektakulären Ost-Berlin-Besuch vor 50 Jahren erklärte King von der Kanzel der Marienkirche: „Ich komme zu euch als nicht ganz Fremder, trage ich doch den Namen des Mannes, den ihr alle kennt, den wir alle ehren …“

Der Vertreter des King-Zentrums Werdau berichtete der Berliner Theologin von dem Künstler Hartmut Berlinicke in Wildeshausen, der mit einer Farbradierung Martin Luther King in Verbindung mit Martin Luther und Dietrich Bonhoeffer brachte, indem er aus dem Foto von einer Demonstration zwei Figuren ausschnitt und Luther sowie Bonhoeffer, Arm in Arm mit Martin Luther King, hineinmontierte.

Den Gesprächspartnern blieben trotz solcher Zusammenhänge die gravierenden Unterschiede zwischen Luther, der für Gewaltanwendung war, und King, der strikte Gewaltfreiheit propagierte, bewusst. Trotzdem sollte King mit seinem Gedankengut während der Reformationsdekade in Deutschland nicht unbeachtet bleiben, meinten die beiden in Berlin.

Der Auslöser für den Kontakt zwischen der namhaften Theologin und dem damaligen DDR-Friedensbewegten und Bürgerrechtler, der 1998 gemeinsam mit Jugendlichen vor Ort und Friedensfreunden aus Ost und West das Martin-Luther-King-Zentrum ins Leben rief, war eine von dem Verein 2013 erarbeitete Wanderausstellung „Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen – Martin Luther King und die DDR“, der eine Buchveröffentlichung unter dem gleichen Titel folgen soll.

Das Martin-Luther-King-Zentrum im sächsischen Werdau ist einzig in Deutschland. Weltweit gibt es King-Zentren außer in Kings Heimatstadt Atlanta/Georgia nur noch in Havanna/Kuba und Lausanne/Schweiz.

Margot Käßmann befindet sich mit ihrer Mitgliedschaft im King-Zentrum in guter Gesellschaft. Bisherige Ehrenmitglieder des King-Zentrums sind die „Grande Dame“ der internationalen Friedensbewegung Hildegard Goss-Mayr in Wien, die amerikanischen Sängerinnen Joan Baez und Melbra Rai und der Gründer von „Ärzte gegen Atomkrieg“ Horst-Eberhard Richter (+). In guter Gesellschaft  befinden sich daher auch die aktiven und Fördermitglieder des King-Zentrums, in dem weitere Interessenten, denen Gewaltfreiheit und Zivilcourage am Herzen liegen, jederzeit willkommen sind.

"Den Granaten entkommen und doch vom Krieg zerstört"

Zu dieser Veranstaltung wird für Donnerstag, den 24. Juli ab 18 Uhr auf den Platz "Am Torbogen" in Werdau-West eingeladen.

"Eine Generation, die vom Krieg zerstört wurde - auch wenn sie seinen Granaten entkam". So beschreibt es Erich Maria Remarque in seinem berühmten Roman "Im Westen nichts Neues".

Das Martin-Luther-King-Zentrum Werdau greift diese Tatsache auf und widmet seine Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs vorrangig den Menschen an der so genannten "Heimatfront". Das sind die Frauen und Mütter ohne Ehemann, die die Arbeit der Frontsoldaten zuhause in den Betrieben, auf dem Acker, in der Bäckerei, mit übernehmen mussten, die Kinder ohne Vater, die "Kriegskrüppel", die nicht als Helden gefeiert, sondern als Versager verachtet und nutzlose Esser betrachtet wurden.

Zu Beginn der Veranstaltung jedoch wird im Torbogen eine  historische Gedenktafel an den Soldaten Paul Gansmüller enthüllt, die in den 1960er Jahren von Georg Meusel in der Werdauer Tetznerstraße von einem Abbruchhaus geborgen wurde. Nach Recherchen  im Stadtarchiv "fiel der Landsturmsoldat-Geschirrführer 12. Kompanie des Königlich säschs. Infanterie Regiments, Paul Bruno Gansmüller, ledigen Standes, 22 Jahre alt bei Oleschuchki am 29.9.1915 vormittags um 10 Uhr  in Folge eines Bauchschusses".

Das King-Zentrum bittet die Bevölkerung um Hinweise auf dessen damalige Familie, ggf. Fotos von den Gansmüllers und von deren winzigem Wohnhaus in der Tetznerstraße 2. Arno, der Bruder von Paul Gansmüller und Arnos Frau Anna Helene lebten damals noch. Nach dem Tod der Frau wurde das baufällige Haus abgerissen.

Nach einem Gedenkwort von Pfarrer Andreas Richter wird auf dem Torbogenplatz ein Gedenkprogramm angeboten. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von Posaunenchorbläsern und mit Antikriegsliedern zu Gitarre. In den Texten aus Antikriegsliteratur und Berichten von Bürgern soll dann vorrangig derer gedacht werden, die auf den Heldendenkmälern nicht genannt sind, der Menschen, die in der Heimat unter dem Krieg gelitten haben.

Das ist auch Themenschwerpunkt des MDR-Sachsenspiegels, der im King-Zentrum bereits Aufnahmen gemacht zu einem Beitrag innerhalb einer Reihe über den 1.Weltkrieg in Sachsen.

Werdauer beten für Frieden und Toleranz

Am Samstag, den 5. Juli um 18 Uhr findet eine Friedensandacht für Toleranz und Integration im Gemeindezentrum der Marienkirche statt. Dazu laden Werdauer Kirchen, das Friedensseminar Königswalde sowie das Martin-Luther-King-Zentrum ein. Auch Oberbürgermeister Stefan Czarnecki nimmt an der Veranstaltung teil. Gemeinsam soll ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit gesetzt werden, auch unter dem Hintergrund einer angekündigten Demonstration für die Schließung des Asylbewerberheimes der Stadt. Im Anschluss an die halbstündige Andacht werden einhundert bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen.

Samstag, den 28.06.2014 in der Zeit von 10.00-17.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum

„Gewalt und Gewaltlosigkeit in der Politik: In Memoriam Mahatma Gandhi“

Seminar unter Leitung des Theologen und Philosophen Wolfram Tschiche

Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948), besser bekannt als Mahatma Gandhi, gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er hat der Welt gezeigt, dass soziale und politische Veränderungen nicht nur durch Gewalt und Terror erreicht werden können. Mit seiner Politik des zivilen Ungehorsams und der Gewaltlosigkeit hob er sich von prominenten Zeitgenossen wie Hitler, Stalin und Mao ab, für die Gewalt ein legitimes Mittel der Machthabenden war, um damit ihre politischen Ziele durchsetzen zu können.

Mahatma Gandhis großes Ziel war die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Kolonialherrschaft. Dabei ließ er sich vom Grundsatz leiten, dass die Liebe zu den Mitmenschen, auch den britischen Besatzern, der Leitwert in der politischen Auseinandersetzung bleiben muss. So war es für ihn die logische Konsequenz, dass politische Konflikte nur durch gewaltfreie Mittel, als zivilen Widerstand bzw. Ungehorsam lösbar sind.

Gandhis Erfolg der gewaltlosen Aktion beruhten auf völliger Durchsichtigkeit der Methoden sowie der Vorankündigung von Zeit und Ort des Einsatzes, also der Offenlegung der gewaltlosen Strategien. Damit wurde der Gegner zum Teilnehmer gemacht, indem man ihn in das eigene gewaltfreie Handeln einbezog.

Neben der Erinnerung an diesen außergewöhnlichen spirituellen Moralisten und Politiker wird in dem Seminar unter Leitung des Theologen und Philosophen Wolfram Tschiche nach aktuellen Lebensbezügen gefragt: Unter welchen Umständen ist gewaltfreier Widerstand legitim? Gibt es ein Widerstandsrecht in einem demokratischen Verfassungsstaat? Hat gewaltfreier Widerstand gegenüber totalitären Machthabern überhaupt eine Chance? Kann eine „Humanitäre Intervention“ bei schweren Menschenrechtsverletzungen moralisch und politisch gerechtfertigt werden?

Eine Veranstaltung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit
dem Martin-Luther-King-Zentrum. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Wenn Sie am Seminar teilnehmen möchten, bitten wir Sie, sich bis 13.06.2014 im Martin-Luther-King-Zentrum anzumelden (telefonisch, schriftlich oder per E-Mail).

RTL Sonntag, 06.04.2014, 23:30 bis 00:25 Uhr

Erstausstrahlung der Dokumentation

Der King-Code. Martin Luther King in Berlin


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Dienstag, 11. März 2014 um 18.30 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau

Vortrag und Diskussion

                                         
"Aktivisten der Freiheit"

Referent: Bernd Gerber

 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution möchte das Martin Luther-King-Zentrum am Beispiel der "Aktivisten der Freiheit" an den frühen Widerstand gegen das kommunistische System in der SBZ/DDR erinnern, der heute oft in Vergessenheit geraten ist, obwohl seine Trägerinnen und Träger den brutalsten Repressionen unterlagen.
Die Widerstandsgruppe „Aktivisten der Freiheit“, zu der etwa 20 Personen gehörten, gründete sich im August 1950 im Raum Zwickau – Werdau und Umgebung. Die Gruppe trat mit friedlichen Mitteln für ein nichtkommunistisches und wiedervereintes Deutschland ein und stellte den Herrschaftsanspruch der SED in Frage. Während des Fußballspiels am 11.Mai 1951 von Motor Zwickau gegen den FC Schweinfurt 05 verteilten die Aktivisten Flugblätter mittels zweier Raketen im Zwickauer Stadion. Die Gruppe hatte bereits am 1. Mai 1951 versucht, eine Rakete mit Flugblättern zu zünden, was jedoch scheiterte. Nur 6 Tage nach der Flugblattaktion - am 17. Mai 1951 - wurden einige Mitglieder der Widerstandsgruppe verhaftet. 17 Personen wurden verurteilt, darunter 5 zum Tode: der Schuhmacher Johannes Vitzthum, der Schreiner Walter-Karl Reinhold, der Lokomotivführer Alfred Pansa, der Textilfacharbeiter Heinz Herrmann - alle aus Steinpleis (bei Werdau) - und der Bergarbeiter Ernst Schreiter aus Zwickau. Die anderen wurden zu 25 Jahren und zu 10 Jahren Arbeitslager in russischen Gulags verurteilt. Die Gruppe wurde von einem eingeschleusten Spion "GI Norbert" verraten. Die Todesurteile wurden am 12.03.1952 in Moskau vollstreckt, nachdem die Gnadenersuche am 8. März abgelehnt worden sind. Die Entlassungen aus den Lagern waren am 23.12.1953 und am 10.10.1955.
Die Rehabilitierung durch russische Militärstaatsanwälte der Gruppenmitglieder erfolgte am 22. November 1994.
Bernd Gerber ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Martin-Luther-King-Zentrum und recherchiert seit einiger Zeit intensiv zu diesem Thema.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperationsveranstaltung mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.
Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 30. Januar 2014, um 19 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum

       "Sportsfreund Lötzsch"

Dokumentarfilm und Diskussion

mit dem Radsportler Wolfgang Lötzsch, Moderation Thomas Purschke


Die Radsportlegende Wolfgang Lötzsch steht im Mittelpunkt dieses Dokumentarfilms.

Anlässlich der Einrichtung eines Kinderradsportteams in Zwickau unter dem Namen „Wolfgang Lötzsch“ werden alle Interessierten zu Film und Gespräch mit dem „Sportsfreund Lötzsch“ eingeladen. Der Sportjournalist Thomas Purschke übernimmt die Einführung und die Moderation des Gesprächs.

ImageWolfgang Lötzsch, 1952 in Chemnitz geboren, war das große Ausnahmetalent im Radsport der DDR. Er träumte von Siegen bei der Friedensfahrt und bei den Olympischen Spielen. Dann aber wendete sich das Blatt. Weil sein Cousin in den Westen floh, galt auch Lötzsch als verdächtig. Er wurde aus dem Sportclub Karl-Marx-Stadt entlassen. 1976 wurde er wegen „Staatsverleumdung“ zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt und war bis 1979 für Radrennen gesperrt. Doch Wolfgang Lötzsch ließ sich nicht unterkriegen. ln der Betriebssportgemeinschaft Motor Ascota trainierte er verbissen weiter - siebzehn Jahre Radfahren gegen einen eisigen Wind. Von Sieg zu Sieg, aber nie über die Grenzen der DDR hinaus. Sein Schicksal, in die Fänge der Staatssicherheit geraten zu sein, hat er bis heute nicht überwunden.
Die Geschichte von Wolfgang Lötzsch ist ein klassisches Drama über Freundschaft und Verrat, Opportunismus und Widerstand. Und sie erzählt, wie ein unpolitischer Mensch eine Widerstandskraft entwickelt, die einen ganzen Staatsapparat aus der Fassung bringt. Ein authentischer Radsportkrimi , interessanter als alle Doping-Spiele um die Tour de France.

Diese Veranstaltung ist eine Kooperationsveranstaltung mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

Der Eintritt ist frei.

In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Thüringen

19. Januar 2014 um 10 Uhr  

       Gedenk-Gottesdienst für Martin Luther King

Jakobskirche Weimar, Rollplatz 4

2014 jährt sich der Besuch Martin Luther Kings in Ostberlin zum 50. Mal. Die Theologie Kings und sein Ansatz des gewaltfreien aktiven Protestes haben in den Kirchen in der DDR fortgewirkt und waren in den Protesten der Friedlichen Revolution präsent. Dies ist Anlass, in der Jakobskirche in Weimar 50 Jahre nach Kings Besuch und 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution eine neue Predigtreihe zu beginnen. Jeweils am Sonntag nach Kings Geburtstag wird in den kommenden Jahren ein Gedenkgottesdienst stattfinden. Dabei wird jeweils ein Bibelwort im Mittelpunkt stehen, über das auch King gepredigt hat. Sein Zeugnis und Engagement für Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden können für die Gegenwart Herausforderung und Inspiration werden.

Gründungsmitglied des Martin-Luther-King-Zentrums Ulli Thiel wird 70 Jahre alt

Ulli Thiel, Jahrgang 1943, Pädagoge und Friedensarbeiter, lebt gemeinsam mit seiner Frau Sonnhild in Karlsruhe. Lehrer für hör- und sprachbehinderte Kinder und Jugendliche bis zum Schuljahresende 2007. Seit 1968 gemeinsam mit Sonnhild aktiv für die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) auf Gruppen-, Landes- und Bundesebene. Langjährige Mitarbeit außerdem in der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden, im Friedensbündnis Karlsruhe und im Beirat der Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden. Langjähriges Mitglied bei Lebenshaus Schwäbische Alb e.V.

Herzlichen Glückwunsch!
 

Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums

»Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen«

Eröffnung

am 28. Oktober 2013 im Anschluß an die um 18:30 Uhr stattfindende Andacht aus Anlass des 776. Stadtjubiläums Berlins in der St. Marienkirche Berlin, Karl-Liebknecht-Str. 8, in der King im September 1964 gepredigt hat.

Image»Martin Luther King und die DDR« – In vielen Bereichen der DDR-Gesellschaft lassen sich Spuren von Martin Luther Kings Gedankengut des gewaltfreien Widerstandes finden.

Die Widersprüchlichkeit des SED-Staates im Umgang mit King zeigte sich u.a.  beim Ost-Berlin-Besuch des Bürgerechtlers im September 1964. Weder Presse noch Rundfunk kündigten ihn an. Und doch ließen die DDR-Grenzer King ohne Pass und Visum am Checkpoint-Charlie die Mauer passieren und er konnte ungehindert vor 3.000 DDR-Bürgern sprechen.

In Kirchgemeinden bis zu Oppositionsgruppen verbreiteten sich im Laufe der Zeit Kings Ideen der Gewaltfreiheit, so dass
dies auch im Hinblick auf die Friedliche Revolution 1989 nicht ohne Wirkung bleiben konnte. Am entscheidenden 9.Oktober 1989 bezog sich die Predigt in der Reformierten Kirche zu Leipzig vor Tausenden Besuchern ausdrücklich auf King. Er habe „den Menschen unserer Zeit gezeigt, dass durch Gewaltlosigkeit etwas grundsätzlich verändert weren kann. Das erwachte Selbstbewusstsein der Schwarzen wurde mit dem »Erwachsenwerden« der DDR-Bürger verglichen. Dann wurde vor Beginn der Großdemonstration der Aufruf »Keine Gewalt« der »Leipziger Sechs« verlesen.

In dieser Ausstellung wird exemplarisch gezeigt, welch starker Hoffnungsträger Martin Luther King für viele Menschen in der DDR war.

 


Bilder von der Eröffnung



 

Berliner Filmteam dreht in Lutherhaus und King-Zentrum Werdau für RTL

DDR-Erstaufführung des Martin-Luther-King-Films „… dann war mein Leben nicht umsonst“ von 1987 in Werdau mit Originaltechnik vor Berliner Schülern nachgestellt

Ein Berliner Kamerateam unter dem Filmemacher Kuno Richter arbeitete gemeinsam mit Zeitzeugen, Berliner Schülern und Lehrern Ende September an zwei Drehtagen im Lutherhaus und im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau an Aufnahmen für einen Film über Martin Luther King und die DDR.

Zur Vorgeschichte gehörte, dass es Georg Meusel 1987 nach vierjährigen Bemühungen unter teils abenteuerlichen Umständen gelungen war, den Oskar-nominierten großen King-Dokumentarfilm aus der BRD in die DDR zu bringen. Es waren drei große Hürden zu nehmen. Kirchliche Stellen mussten zustimmen, weil der Filmdienst des Evangelisches Jungmännerwerk Magdeburg die einzige Institution war, die mit ihrem Reisedienst Filme zeigen durfte, die nicht über den Progress-Filmbetrieb in die Kinos kamen. Die Vermittlung von Anselm Meyer, der eine Zeitlang als „Filmmissionar“ bei der Kirche gearbeitet hatte, erwirkte schließlich das kirchliche Einverständnis. Zweitens mussten dreieinhalb Tausend Westmark aufgebracht werden, die zum allergrößten Teil Freunde aus der westdeutschen Friedensbewegung sammelten. Die fehlenden 500 DM organisierte „Schorsch“ Meusel auf unkonventionelle Weise mit dem Schmuggel von DDR-Sammlerbriefmarken. Drittens war die Aufführungslizenz des Kulturministeriums der DDR erforderlich, das die Entscheidung erst traf, wenn der Film im Original bei ihm auf dem Schreibtisch lag.
Zu Kings Todestag im April 1987 wurde der 135-minütige Streifen in zwei überfüllten Vorstellungen im Lutherhaus Werdau aufgeführt. Die Stasi erkannte wohl die politische Brisanz des Films, behinderte ihn jedoch nicht. Im Bericht  eines Informellen Mitarbeiters heißt es: „Ich habe … bedauert, daß mit den drei Aufführungen, zweimal in Werdau und einmal … in Crimmitschau im Piusheim, nur 400 bis 450 Menschen diesen Film sehen konnten, mehr fassen die Räume gar nicht, und daß das eigentlich vom Wert her, den der Film hat, wie man Widerstand organisieren sollte und auch durchzieht, einen viel größeren Zuhörerkreis verdient hat...“. Dann trat der Streifen mit dem Filmdienst des Evangelischen Jungmännerwerks seinen Segenslauf durch die DDR an, wo er in 138 Vorstellungen bis zur Friedlichen Revolution nahezu 11 000 Menschen erreichte. Er spielte fast 4 000 Mark für das Friedensseminar Königswalde und 8 000 Mark für den Nothilfefonds des Jungmännerwerks ein.

Mit Anselm Meyer als damaliger Filmvorführer konnten die Berliner am authentischen Ort mit und Originaltechnik im allerdings inzwischen leergeräumten Lutherhaus die DDR-Erstaufführung des Films nachempfinden.
Am zweiten Drehtag besuchte das Filmteam das Martin-Luther-King-Zentrum. Dort berichtete Schorsch Meusel anhand des Originals den Schülern, wie er im Jahr 2003 in Berlin das verschollene Tonband mit Kings Predigt vom September 1964 in der Ost-Berliner Marienkirche aufgefunden hat. Nach Einschätzung von Archivwissenschaftlern hätte nach so langer Zeit das Magnetband längst gelöscht sein müssen. Der Tontechniker meinte: „Da ist nur noch das Eigenrauschen des Bandes drauf“. Doch unter Rauschen, Brummen, Knistern und Knacken erscholl plötzlich undeutlich, aber verstehbar, die Stimme Martin Luther Kings: „Meine lieben christlichen Freunde in Ostberlin, … zu beiden Seiten der Mauer leben Kinder Gottes und keine von Menschen errichtete Grenze kann diese Tatsache auslöschen …“.  - „Mit diesem Glauben werden wir aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen, miteinander für die Freiheit aufstehen in der Gewissheit, eines Tages frei zu sein“. Eine seit 39 Jahren verstummte Stimme war nochmals lebendig geworden.
Die Schüler ließen sich vor der Kamera auch Meusels 100-seitiges philatelistisches Exponat über Martin Luther King zeigen und erklären. Er hatte dies 1970 gestaltet. Es wurde auf Ausstellungen innerhalb der DDR, in Wolgograd und auf Weltausstellungen in Poznan und Prag gezeigt, wo bis 1989 insgesamt rund 600 000 Besucher Gelegenheit hatten, es zu sehen.
Gefragte Gesprächspartnerin für die Berliner war vor der Kamera auch Eva Werner aus Stolberg, Vorstandsmitglied im King-Zentrum, die als Politologin an einer Dissertation über Martin Luther King und die DDR arbeitet.

Die Dreharbeiten in Werdau sind Bestandteil des Projekts King-Code. Eine Schulklasse aus dem Westen und eine aus dem Osten Berlins arbeiten ein Jahr lang am Thema Martin Luther King,  besuchen authentische Orte in der Stadt, wo King 1964 auftrat und treffen sich mit Zeitzeugen. Der 45-minütige Film soll zum 50. Jahrestag des Besuches des amerikanischen Bürgerrechtlers in der damals geteilten Stadt im September 2014 von RTL gesendet werden.

Das Werden des Projekts kann im Internet unter http://www.king-code.de/ verfolgt werden. Dort sind unter dem Link „Galerie“, vorläufig mit Musik unterlegt, auch schon Filmclips mit Ausschnitten von den Drehs in Werdau zu sehen.

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In der Wahrheit leben

Texte von und über Ludwig Mehlhorn

Buchpräsentation mit Stephan Bickhardt, evang. Pfarrer Leipzig, und Achim Beier, Archiv Bürgerbewegung e.V.

Donnerstag, 12. September 2013 um 19:00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum e.V.

ImageLudwig Mehlhorn
geb. 05.01.1950  Bernsbach (Erzg.); gest. 03.05.2011 Berlin

Abitur; Studium der Mathematik; anschließend Programmierer in der Hochschule für Ökonomie Berlin; seit 1969 Mitarbeiter bei der Aktion Sühnezeichen und in der Evang. Studentengemeinde; seit 1975 Mitarbeit in verschieden Friedens- und Menschenrechts-kreisen; 1977 Haussuchung und Verhöre durch das MfS; 1981-1987 Auslandsreiseverbot; 1984 Verweigerung des Reservisten-wehrdiensts; 1985 Berufsverbot; seitdem Hilfspfleger in der Stephanusstiftung Berlin; 1986 Mitinitiator des Antrags auf "Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" an die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und die Bundessynode, Mitbegründer des gleichnamigen oppositionellen Arbeitskreises; Herausgeber und Autor illegaler Publikationen, u.a. "Aufrisse", "Spuren", "ODER"; Übersetzungen aus dem Polnischen; 1987-1989 Mitveranstalter von literarischen Lesungen in Privatwohnungen; September 1989 Mitbegründer der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt; Mitarbeit in verschiedenen ehrenamtlichen Gremien, u.a. Stiftung Kreisau für europäische Verständigung, Heinrich-Böll-Stiftung; 1991 Referent im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg; seit 1992 Studienleiter an der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg, zuständig für den Themenbereich Mittel- und Osteuropa.
Der vorliegende Band versammelt Texte von und über Ludwig Mehlhorn. Sie geben Einblick in sein kirchliches Engagement, erzählen von seinen Kontakten zur polnischen Opposition und seinem Wirken als Mitbegründer von "Demokratie Jetzt". Mehlhorn, der in kirchennahen Gruppen arbeitete, der Lesungen in seiner Wohnung abhielt, selbst oppositionelle Schriften verfasste oder aus Polen in die DDR schmuggelte und übersetzte, stand im Fokus der Staatssicherheit. Sein Engagement als Christ führte ihn in den Kampf gegen die Diktatur und für eine Zivilgesellschaft. Die europäische Verständigung zwischen Ost und West galt ihm als wichtige Gegenwartsaufgabe. Neben Texten Mehlhorns zeichnen verschiedene Autoren, Wegbegleiter und Freunde den Lebensweg des Bürgerrechtlers nach.

 - Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen -

"Via Knast in den Westen – Das Kaßberg-Gefängnis und seine Geschichte"

Lesung und Gespräch mit Dr. Nancy Aris und Utz Rachowski

Dienstag, den 28.05.2013 um 19.00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum

Dr. Nancy Aris, Referentin beim Sächsischen Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (LStU) wird zusammen mit dem Schriftsteller Utz Rachowski die neu veröffentlichte Publikation des LStU „Via Knast in den Westen. Das Kaßberg-Gefängnis und seine Geschichte“ vorstellen.

ImageDer Sammelband bietet erstmals eine Überblicksdarstellung zum historischen Ort und lässt Betroffene, damalige Akteure sowie Historiker zu Wort kommen. In der früheren Stasi-Untersuchungshaftanstalt saßen all jene Häftlinge ein, die über den Häftlingsfreikauf in die Bundesrepublik abgeschoben wurden – bis 1989 durchliefen mehr als 32.000 Gefangene diesen Weg. Der Jahrzehnte im Verborgenen ablaufende „staatsfreundliche Menschenhandel“ des SED-Regimes reduzierte die Menschen und ihre Schicksale einzig auf die Sach- und Devisenzahlungen der Bundesrepublik, die für die Wirtschaft der DDR lebenswichtig waren. Dies und der Umstand, dass so auch unbequeme Oppositionelle einfach „entsorgt“ werden konnten, machten den Freikauf mit seinen Hintergründen zu einem äußerst zwiespältigen und damit interessanten Thema der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte.

Das Gefängnis auf dem Chemnitzer Kaßberg wurde durch die deutschen Diktaturen über das 20. Jahrhundert hinweg stark geprägt. Erbaut im Jahr 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt ist über seine genaue Nutzung bis 1933 wenig bekannt. Während der NS-Zeit wurden auf dem Kaßberg u. a. Juden und Regimegegner durch die Gestapo und den SS-Sicherheitsdienst inhaftiert und ermordet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutzte die Sowjetische Besatzungsmacht das Gebäude als NKWD-Operativgefängnis. Anfang der 1950er-Jahre wurde auf dem Kaßberg die Untersuchungshaftanstalt der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Karl-Marx-Stadt eingerichtet. Ab Ende der 1960er-Jahre wurde das Kaßberg-Gefängnis auch zur Drehscheibe für den Häftlingsfreikauf.

Veranstaltung des Martin-Luther-King-Zentrums zu den Tagen der Demokratie und Toleranz Buchvorstellung und Gespräch

"Aus einem Land vor unserer Zeit"

Termin:    18.04.2013, 19 Uhr
Ort:         Martin-Luther-King-Zentrum e.V. , Stadtgutstraße 23, Werdau

Referentin: Dr. Anja Hertel

ImageDer Sammelband „Aus einem Land vor unserer Zeit“ enthält Dissertationen von 25 Stipendiaten der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Teilen Deutschlands haben sich mit diesem Projekt auf eine Entdeckungsreise in ein Land „vor ihrer Zeit“ begeben. In anschaulichen, kurzweiligen und lebendigen Geschichten erzählen sie über ihre historischen Streifzüge. Sie berichten über einen untergegangenen Staat, den sie selbst nicht mehr erlebt haben. Dabei spielen Schnitzlers „Schwarzer Kanal“, aufmüpfige Künstler, austrittswillige SED-Genossen genauso eine Rolle wie der UN-Beitritt der DDR 1973.

Dr. Anja Hertel, 1980 in Werdau geboren, studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig. Ihr Beitrag widmet sich dem Werk des Leipziger Malers Wolfgang Mattheuer.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Sachsens


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Geschichte zum Anfassen

Oberbürgermeister besucht Werdauer Martin-Luther-King-Zentrum

Mitte März folgte Oberbürgermeister Stefan Czarnecki einer Einladung des Martin-Luther-King-Zentrums und besuchte die Einrichtung auf der Stadtgutstraße. Dabei informierte er sich über die vielfältigen Arbeitsbereiche, Ausstellungen und Projektangebote des Zentrums, dass sich seit 1998 mit Themen der Gewaltfreiheit, Demokratie, Bürgerbewegung und jüngerer Geschichte beschäftigt.

Georg Meusel berichtete, wie es nach vierjährigen Bemühungen unter abenteuerlichen Bedingungen 1987 gelang, den großen Martin-Luther-King-Dokumentarfilm "Dann war mein Leben nicht umsonst" aus der BRD in die DDR zu bringen. Dieser hatte dann in zwei Vorstellungen im überfüllten Lutherhaus Werdau seine DDR-Erstaufführung. In 138 Aufführungen in Kirchgemeinden, Friedens- und Menschenrechtsgruppen erreichte er bis zur Friedlichen Revolution mehr als 10 000 Besucher.

Aktiv sind die Mitglieder und Mitarbeiter vor allem auf Landesebene durch Wanderausstellungen und Informationsveranstaltungen. Hier in Werdau sind es vor allem Projekttage von Schulen, Lesungen und Vorträge sowie Bildungsveranstaltungen, die immer wieder Interessenten anlocken. Auch gemeinsam mit dem Werdauer Oberbürgermeister sollen in den nächsten Monaten einige neue Vorhaben in Angriff genommen werden.

Größtes aktuelles Projekt ist es, unter dem Titel "Aus dem Fels der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung hauen" eine neue Wanderausstellung über den Einfluss des Gedankenguts von Martin Luther King auf die Friedens- und Bürgerbewegung der DDR bis zur Friedlichen Revolution zu gestalten. Anlass ist der 50. Jahrestag von Kings Predigt in der Ost-Berliner Marienkirche, seinem einzigen Besuch im Ostblock im Jahr 2014. Dazu hat das King-Zentrum eine Fülle von Dokumenten, Bildmaterial und Zeitzeugenberichten recherchiert.

Am 28.02.2013 um 19:00 Uhr im Martin-Luther-King-Zentrum, Stadtgutstr. 23, Werdau

Spatensoldaten - vom Mut und den Konsequenzen

Vortrag von Stefan Wolter mit anschließender Diskussion

Der Historiker und ehem. DDR-Bausoldat Stefan Wolter hat kürzlich „Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten in Prora“ des Leipzigers Uwe Rühle herausgegeben.
Die Existenz der "Spatensoldaten" war in der DDR weitgehend tabuisiert, Wehrpflichtige wurden auf diese Möglichkeit offiziell nicht hingewiesen: Ab 1964 konnten junge Männer einen waffenlosen Dienst in den Reihen der Nationalen Volksarmee (NVA) ableisten. Bis 1990 wurden ca. 15.000 als „Bausoldaten“ eingezogen. In Anspielung auf den Spaten auf dem Schulterstück der Uniform hießen sie inoffiziell auch „Spatensoldaten“. In den Baueinheiten mussten sie harte körperliche Arbeiten verrichten, erlebten Nötigungen und später massive Diskriminierungen in der Ausbildung, bei der Wahl des Studiums und im Beruf.
Der Leipziger Uwe Rühle (1956 –1989) war 26 Jahre alt, als er die Einberufung als „Bausoldat“ erhielt. Sein Weg führte ihn auf die Insel Rügen, in den „Koloss von Prora“. Die wuchtige Anlage, unter den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren als Seebad für 20.000 Urlauber konzipiert, aber nie fertig gestellt, war der Einsatzort für die größte Einheit von „Spatensoldaten“ in der DDR. Uwe Rühle begann, seine ernüchternden Erlebnisse vor Ort aufzuzeichnen. So entstand ein bewegender Bericht davon, wie die friedfertigen Männer gedemütigt und beim Ausbau des Fährhafens ausgebeutet wurden. Die Ehefrau Uwe Rühles schmuggelte die Aufzeichnungen in die Bundesrepublik, erst im vergangenen Jahr wurden sie veröffentlicht.

Der Historiker Stefan Wolter wurde 1967 in Eisenach geboren und studierte Geschichte und Theologie. Wolter war selbst Bausoldat, seine Erfahrungen veröffentlichte er mit seinem Buch „Hinterm Horizont allein – Der Prinz von Prora“. 2008 gründete er mit weiteren Zeitzeugen, Wissenschaftlern und Sympathisanten den Denk-MAL-Prora e. V. Stefan Wolter lebt und arbeitet in Berlin.

Eine Veranstaltung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der BStU-Außenstelle Chemnitz und des Martin-Luther-King-Zentrums.

Reflexion zur Multiplikatorenfortbildung

Einführung in die gewaltpräventive Arbeit mit dem Medienpaket „Heimspiel“

Werdau. Am Donnerstag, den 31.01.2013 fand im Martin-Luther-King-Zentrum Werdau eine Fortbildung zur Einführung in die gewaltpräventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit dem Medienpaket „Heimspiel“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Jugendring Westsachsen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Landkreis Zwickau, Sachbereich Kinder- und Jugendschutz, dem Martin-Luther-King-Zentrum Werdau und dem Objektiv e.V. Die Durchführung übernahm Ralph-Torsten Lincke, Mitarbeiter des Objektiv e.V., der Koordinierungsstelle für filmpädagogische Präventionsarbeit und Projektleiter der SchulKinoWochen Sachsen. Teilnehmer der Veranstaltung waren Pädagogen und Sozialarbeiter verschiedener Träger, die als Multiplikatoren im direkten Umgang mit den Jugendlichen die eigenen Erfahrungen mit dem Film und den angebotenen Vor- und Nachbereitungsmöglichkeiten nutzen können.
Image„Ziel unserer Arbeit war es, einen emotionalen und packenden Film zu machen, der zugleich aber auch tiefgehende Fragen unserer Zeit aufwirft. Dabei liefert „Heimspiel“ dem Zuschauer keineswegs die üblichen Antworten. Er soll nachhaltig wirken und eine Plattform bieten, um über Moral, Gerechtigkeit und Gewalt zu diskutieren.“ – so der Produzent des Filmes Max Permantier. Andreas Vossen (Wotan Wilke Möhring) ist Ethiklehrer an einem Gymnasium - und in seiner Freizeit Hooligan. Er lebt seine Leidenschaft für Gewalt aus, bis ihn ein neuer Schüler (Kai Malina) als Hooligan erkennt. Bald schon stehen sich beide in einem Kampf gegenüber …
Dieser ungewöhnliche und fragenaufwerfende Kurzfilm bildet den Kern eines Medienpaketes mit einem medienpädagogischen Begleitheft. Das Programm Polizeilicher Kriminalprävention versucht damit, junge Menschen beiderlei Geschlechts im Alter von ca. 16 bis 25 Jahren anzusprechen und primär diejenigen zu erreichen, die gewaltgeneigt oder durch Gewalttaten bereits auffällig geworden sind. Die Zielgruppe soll sich anschließend intensiv mit den Folgen von Gewalthandlungen auseinandersetzen und das eigene Verhalten überdenken. Im Verlauf des Gesprächs soll die Perspektive auf die Lebenswirklichkeit der jungen Zuschauer gelenkt werden. Das Medienpaket „Heimspiel“ soll nicht über die Schulen und Polizeilichen Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden, sondern über die Orte, an denen sich die Jugendlichen aufhalten. Dies betrifft die außerschulische Jugendsozialarbeit, Streetworker, Mobile und Offene Jugendarbeit.
„Heimspiel“ biete eine Möglichkeit, um eine vielschichtige Diskussion über Gewalt anzuregen. Dabei ist es kein klassischer Präventionsfilm, der belehrt, sondern ein Film, der Fragen aufwirft. Gelingt es, diese Fragen in einer vertrauten Atmosphäre zu besprechen, dann werden Themen wie Akzeptanz und Freude an Gewaltausübung, Macht, Respekt, Ehre, Geschlechterverhältnisse und Kontrolle aufgegriffen, reflektiert und ausgewertet.
Im Anschluss an den emotional ergreifenden Kurzfilm kam zwischen den Teilnehmern und dem Referenten ein intensiver Diskurs zustande, in der die verschiedenen Aspekte der Handlungen und Sichtweisen und mögliche Lösungsansätze analysiert und diskutiert wurden. 

 Resümee zur Eröffnung der Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums e.V.

„Sanfte Töne, starke Worte – Kritische Liedermacher in der DDR“

Werdau/Chemnitz.  Am Donnerstagabend, den 8. November 2012 konnte erfolgreich vor einer großen Besucherzahl die neue Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums „Sanfte Töne, starke Worte – Kritische Liedermacher in der DDR“ im Chemnitzer „DAStietz“ eröffnet werden.

Im Anschluss an die begrüßenden Worte des King-Zentrums-Vorsitzenden, Dr. Martin Böttger und der Stadtbibliotheks-Leiterin, Frau Tina Goldammer, referierte der Kulturwissenschaftler Dr. Lutz Kirchenwitz, Experte auf dem Gebiet der DDR-Liedermacher- und Singebewegung, zum Thema. Der Berliner Liedermacher Arno Schmidt übernahm zusammen mit der Akkordeonistin und Flötistin Jeanne Grabner die musikalische Gestaltung der Vernissage.

In der Exposition, die 20 Roll-Up-Banner umfasst, werden neben der DDR-Kulturpolitik, der FDJ-Singebewegung und der Entstehung der politischen Liedkultur in beiden Teilen Deutschlands beispielhaft einzelne DDR-Liedermacher anhand von Fotos, Informationstexten, Dokumenten, Liedtext- und Hörbeispielen vorgestellt. Dabei werden die musikalischen Balanceakte zwischen vorauseilender Anpassung und Widerstand sowie die Repressionen des SED-Staates gegen kritische Geister bis hin zur Zwangsausbürgerung in die Bundesrepublik Deutschland aufgezeigt. Besonders reizvoll für den Zuhörer ist wohl das viele Versteckte, Halbversteckte, das in Andeutungen und zwischen den Zeilen zu Vermutende, das in den Songtexten in geschickter Art und Weise untergebracht wird.

Die Ausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums Werdau wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, dem Landkreis Zwickau und der Stadt Werdau gefördert. „Sanfte Töne, klare Worte – Kritische Liedermacher in der DDR“ kann bis zum 28.12.2012 im Chemnitzer TIETZ in der Stadtbibliothek besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Ab Januar steht die Ausstellung allen Interessierten zur Ausleihe bereit.

"Sanfte Töne, starke Worte – Kritische Liedermacher in der DDR"

»Nichts ist aImageuffälliger als dies: Immer dann, wenn ein Lied mehr war als bloße Pflichterfüllung, wenn dahinter der aufrichtige Wunsch nach einer besseren und gerechteren Gesellschaft stand, wenn Lob der DDR keine Liebedienerei [oder] Zuneigung zum eigenen Land war, dann kann man ganz sicher sein, daß hier ein ... Sänger am Werk war, der früher oder später in die Mühle Obrigkeitlichen Eingreifens geriet.« (Holger Böning)

Oft reagiert der Staat hart gegen jedes Aufbegehren der Kulturschaffenden. Diese Einstellung trägt mit dazu bei, dass sich gerade um das Liedermachertum, um politische Sänger wie Stephan Krawczyk, aber auch christlich motivierte wie Gerhard Schöne ein politischer Untergrund sammelt. Aus diesem gehen Ende der 1980er-Jahre einige einflussreiche Teile der Opposition hervor, die das Ende der DDR mit erwirken.
»Wer Lieder singt, steckt auch die Herberg' in Brand«, heißt es in dem Song »Musikanten sind in der Stadt« des westdeutschen Liedermachers Reinhard Mey, der auch in der DDR sehr bekannt und beliebt war. Er beschreibt damit ein Phänomen, das sich aus der Antike über Hans Sachs und François Villon bis in die jüngste Vergangenheit und Gegen wart durchzieht. Liedermacher werden unter Despoten und in Diktaturen oft als Gefahr für die jeweilige Herrschaftsstruktur betrachtet, verdächtigt, verfolgt und ihrer Freiheit beraubt. Die mittelalterlichen Spielleute – rechtlos und vogelfrei – waren oftmals Instrumentalisten, Gaukler, Spaßmacher und Sänger in einer Person. Sie waren  Nachrichtenüberbringer  und  bisweilen  gefürchtete  Kritiker  des  Adels,  der Kirche und des Bürgertums.
Auch in der DDR werden einige Liedermacher als Gefahr für das Staatssystem betrachtet. Aufgrund der starken Bedeutung des Textes zu ihrer Musik und des damit vertretenen Standpunktes gehören einige von ihnen zu den bekanntesten Oppositionellen in der DDR. In ihren Liedern greifen sie gesellschaftskritische Themen auf. Politische, umweltspezifische  und  soziale  Inhalte  werden  thematisiert,  in  der  Regel  untermalt durch die eigene Erfahrungswelt im beruflichen und privaten Alltag. Die meisten Liedermacher bringen in ihren Liedern den Wunsch nach einer besseren und veränderbaren DDR zum Ausdruck.

„Was man nicht fragen kann,
frage du,frag es mit einem Song!
Was man nicht sagen kann, sage du,
sag es mit einem Song!“
                              Gerhard Schöne

Bilder von der Eröffnung

   

   

 

 



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